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„Deutschland wird eine verlängerte Werkbank“

19.02.2020 10:01 Uhr |

Warum sollten sich Anleger speziell für diesen Fonds interessieren?

Von Wallwitz: Er könnte auch zukünftig eine bessere Aktienwertentwicklung als der MSCI World erwirtschaften. Zumal dieser Fonds eine gesunde Mischung aus teils kleineren Wachstumswerten wie MercadoLibre, Teladoc und The Trade Desk enthält. Gleichzeitig bietet er aber die Sicherheit großer Monopole, die ihre Gewinne aus lang etablierten Geschäftsmodellen erzielen. Ein ähnlich gutes Risiko-Rendite-Profil wie im Phaidros Funds Balanced ist zu erwarten.

Welche Volatilität erwarten Sie für den Phaidros Fund Schumpeter Aktien? Könnte sie vielleicht noch unterhalb des MSCI World liegen?

Von Wallwitz: Das Risiko liegt etwa auf dem Niveau vom MSCI World. Allerdings haben wir eine neutrale Aktien-Cash-Quote von etwa 10 Prozent. Im vergangenen Jahr haben wir den MSCI World sogar geschlagen. Mit 35 Aktien performt der Fonds ähnlich gut wie der MSCI World mit 1.600 Aktien. Zum Vergleich noch ein Blick auf die Volatilität im Dax: Der stärkste unterjährige Verlust im deutschen Leitindex lag bei -9,6 Prozent, während der Phaidros Funds Schumpeter Aktien einen maximalen Verlust von 5,2 Prozent zu verzeichnen hatte.

Was sind für Sie die Gewinner und Verlierer des letzten Jahres gewesen?

Von Wallwitz: Der Verlierer des Jahres 2019 ist die Globalisierung. Schon seit der Finanzkrise 2008 ist trotz des Entgegenwirkens durch die WTO die Anzahl der restriktiven Handelsmaßnahmen deutlich angestiegen. Dieser Trend zu mehr Protektionismus hat sich auch in den letzten Jahren, trotz der wirtschaftlichen Erholung, nicht wieder aufgelöst. Ein Grund dafür liegt sicher im niedrigeren Wachstum in den entwickelten Ländern im Vergleich zu der Zeit vor der Finanzkrise. Denn wenn der Kuchen insgesamt nicht mehr größer wird, muss eben stärker um die zu verteilenden Stücke gestritten werden.

Sie sagen, dieser Trend ist schon seit 2008 im Gange. Warum ist die Globalisierung dann jetzt der Verlierer?

Von Wallwitz: Die Entwicklung hat im vergangenen Jahr eine neue Dimension angenommen. Früher wurden protektionistische Maßnahmen still und heimlich eingeführt, um möglichst niemanden öffentlich zu verärgern. Die internationale Zusammenarbeit wurde für den langfristigen Erfolg als zu wichtig erachtet. Zuletzt wurden Zölle und Sanktionen aber als probates Mittel zur Erreichung der eigenen politischen Ziele verwendet. Dies betrifft nicht nur die USA und China. Auch zwischen der EU und Großbritannien geht es darum, möglichst viel vom Kuchen abzubekommen. Immer mehr Länder stellen die nationalen Interessen auch öffentlich über die Interessen der Handelspartner und die WTO hat keine ausreichenden Mittel, um für Kompromisse zu sorgen.

Wen oder was sehen Sie als Gewinner des Jahres?

Von Wallwitz: Der Gewinner des Jahres 2019 heißt Greta Thunberg, also das Thema Nachhaltigkeit. Auch die Finanzbranche muss dieses Thema stärker berücksichtigen.

Es ist ein faszinierendes Beispiel dafür, dass eine einzelne Person in einer so komplex erscheinenden Welt doch noch sehr viel bewegen kann. Und der Anfang erfolgte ganz klassisch analog. Greta Thunberg hat für sich entschieden, dass ab sofort mehr für das Klima gemacht werden muss und ging mit einem Schild auf die Straße. Mit dieser Entscheidung war sie offensichtlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Durch die der Finanzkrise folgenden Eurokrise und die darauffolgende Flüchtlingskrise ist man in Europa an Krisenstimmung gewöhnt. Daher war es vermutlich einfach an der Zeit, eine neue Krise in den Fokus zu rücken, sonst wäre es den Menschen in Europa sicher langweilig geworden.

Wenn sich das junge Mädchen am 20. August 2018 nicht vor das schwedische Parlament gesetzt und damit die „Fridays for Future“ (FFF) Bewegung ins Leben gerufen hätte, wäre die Klimaschutzbewegung sicherlich nicht mit dieser Dynamik durchgestartet. Aus einem einzelnen Mädchen in Schweden im August 2018 sind, je nach Quelle, vier bis sieben Millionen Menschen geworden, die an einem Freitag im September 2019 weltweit für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen sind. Demonstrationen finden dabei nicht nur in Europa statt, sondern spannen sich mittlerweile über die ganze Welt, Australien, Indien, Südamerika, USA.

Bemerkenswert ist auch die Entscheidung des EU-Parlaments, den Klimanotstand auszurufen, was einen passenden Abschluss für das politische „Klimaschutzjahr“ 2019 darstellt.

Viel diskutiert wird derzeit die Finanzmarkt-Transaktionssteuer – was halten Sie davon?

Von Wallwitz: Wir sind nicht besonders stark davon betroffen, da wir bei Eyb & Wallwitz eine durchschnittliche Haltedauer von drei bis vier Jahren haben und nicht ständig Aktien kaufen und verkaufen.

Zum Abschluss: Welcher Fonds Ihres Hauses hat sich besonders gut entwickelt?

Von Wallwitz: Unser Phaidros Funds Balanced hat das Jahr 2019 mit 400 Millionen Euro angefangen und hat jetzt ein Volumen von rund 1,1 Milliarden Euro. Der Phaidros Funds Balanced blickt erneut auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Die Wertentwicklung lag, je nach Anteilsklasse, bei +19,31 Prozent bis +20,04 Prozent. Damit hat der Fonds erneut innerhalb seiner Kategorie einen Spitzenplatz erreicht und auch die entsprechenden Indexfonds übertroffen. Zu keinem Zeitpunkt hatte der Fonds einen größeren Rückschlag als -3,6 Prozent verzeichnen, was für ein solides Risikomanagement spricht. Blickt man etwas weiter zurück, so hatte der Fonds insgesamt nur zwei negative Quartale in den vergangenen vier Jahren zu verzeichnen – und die meisten unserer Investoren wussten diese Ruhe bei einer per Saldo sehr positiven Rendite zu schätzen.