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Anlegerpsychologie Frauen investieren klüger

Der Verhaltensökonom Richard H. Thaler erhielt soeben den Alfred Nobel Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Forschungen über wirtschaftlich vernünftiges Handeln. Professor Alexandra Niessen-Ruenzi von der Universität Mannheim kann beweisen, dass dies Frauen besser gelingt.

12.12.2017 - 10:18 Uhr | Von:  in Aktien

Warum greifen Menschen in der Kantine eher zu Fritten und Schokopudding, obwohl Salat und Joghurt zweifellos gesünder wären? Warum verbringen sie samstags Stunden bei Autohändlern oder besuchen Elektronikläden, um eine Stereoanlage auszusuchen? Wo es doch viel sinnvoller wäre, statt zu konsumieren endlich mal die eigene Altersvorsorge zu durchleuchten?

Menschen wollen kurzfristiges Wohlbefinden

Richard H. Thaler, Professor für Verhaltensökonomie an der Universität von Chicago, hat bei seinen Forschungen festgestellt, dass der Mensch keineswegs nur ein vernünftig handelndes Wesen ist, das seinen eigenen Nutzen optimiert. Die These vom „Homo Oeconomicus“, die in den Wirtschaftswissenschaften jahrzehntelang als unumstößliche Wahrheit galt, lässt entscheidende Charakterzüge vieler Menschen außen vor: Sie sind träge, lassen sich leicht beeinflussen und ziehen das kurzfristig erlangte Wohlbefinden dem langfristig erzielbaren Gewinn vor.

Altersvorsorge wird aufgeschoben

„Menschen tendieren, wenn sie die Wahl haben, eher zum Genuss heute als zum Investieren für die Zukunft“, sagt auch Professorin Alexandra Niessen-Ruenzi, die zum Thema Behavioral Finance oder Anlegerpsychologie an der Universität Mannheim forscht. „Sie reden sich ein, dass ja noch genügend Zeit sei, sich später um die Altersvorsorge zu kümmern.“ Das neue Auto oder die neue Stereoanlage kann man Freunden und Nachbarn präsentieren, man kann sie gleich nutzen und Spaß haben. Ein Aktien- oder Rentenfonds dagegen ist ein abstraktes Gebilde und zumindest am Anfang schwer zu verstehen. „Geldanlage ist zeitintensiv und erfordert einen hohen kognitiven Aufwand“, so Niessen-Ruenzi. „Zudem redet man in Deutschland nicht gerne über Geld.“

Kleine Anstöße können viel bewirken

Doch hier kommt wieder Richard Thaler ins Spiel. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er bekannt durch sein Buch „Nudge – Wie man kluge Entscheidungen anstößt“, das schon im Jahr 2008 erschienen ist. Darin beschreibt der Verhaltensökonom kleine Tricks oder Stupse, nudges, mit denen Menschen zu vernünftigerem Verhalten motiviert werden können. Wie etwa in der Kantine, wenn dort der Schokopudding hinter den Obstschälchen steht oder der Salat vor den fettigen Fritten angeordnet ist. Auch hier dringt letztlich wieder die menschliche Bequemlichkeit durch – dank des kleinen Tricks greift man zwar wieder zu dem Teller, der am dichtesten vor einem steht, doch auf dem liegen jetzt gesündere Speisen.