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Börsenbeginn in New York: Gemessen an der Risikoprämie sind Aktien verglichen mit der Historie aktuell sehr attraktiv bewertet. | © Getty Images

Assenagon AM zu Multi Asset-Strategien Aktien in Japan und Deutschland besonders chancenreich

Sind die Ertragsaussichten von Aktieninvestments tatsächlich in jedem Fall chancenreicher als bei Investments in Anleihen? Thomas Romig, Head of Multi Asset und Geschäftsführer bei Assenagon Asset Management, kennt die Antwort.

22.11.2019 - 11:22 Uhr | in Artikel

Niedrige Zinsen sind seit der Finanzkrise im Euroraum zur Regel geworden und auch die Federal Reserve Bank der USA hat mittlerweile – nach einigen Zinserhöhungen in den letzten Jahren – wieder eine expansivere Geldpolitik eingeschlagen. Dies führt in entwickelten Märkten zu historisch niedrigen Anleiherenditen und lässt – zumindest relativ gesehen – die Ertragsaussichten von Aktien attraktiver erscheinen. In Schwellenländern zeigt sich ein etwas differenzierteres Bild. Unsere Multi Asset-Portfolios sind dementsprechend positioniert: Vermehrte Investments in japanische Aktien, sehr wenig Staatsanleihen sowie ausgewählte Carry-Positionen in Schwellenländer-Anleihen.

Absolute Bewertung vs. relative Bewertung

Grundsätzlich lässt sich zwischen absoluten und relativen Bewertungen von Aktien unterscheiden. Als Maß zur Einschätzung des absoluten Ertragspotenzials werden dabei die Eigenkapitalkosten eines Unternehmens, das heißt der Faktor, mit dem die erwarteten Dividenden abgezinst werden, um dem aktuellen Marktpreis zu entsprechen, verwendet.

Im Rahmen der relativen Bewertung kommt die Aktien-Risikoprämie (Equity Risk Premium), die den Ertrag den Aktien zusätzlich zu einer risikofreien Geldanlage (zum Beispiel in Staatsanleihen) generieren, zum Einsatz. Das Ergebnis dieser Bewertungsmethoden hängt stark von den angenommenen Dividenden ab: Die Zahlen aus der untenstehenden Tabelle basieren hierbei für die ersten drei Jahre auf Analysten-Einschätzungen und für die darauffolgenden Jahre auf dem historischen Durchschnitt. Anschließend findet über mehrere Jahre hinweg eine lineare Annährung an eine finale konstante Wachstumsrate der Dividenden statt.

Die folgende Tabelle zeigt zusammenfassend sowohl das relative (Aktien-Risikoprämie) und absolute Ertragspotenzial (Eigenkapitalkosten) globaler Aktienmärkte im historischen Vergleich. Darüber hinaus ist der risikofreie Zins abgebildet, welcher sich aus den aktuellen Renditen 10-jähriger Staatsanleihen ableitet.

Entwickelte Märkte: Hohe Aktien-Risikoprämien

Schaut man auf die Kapitalkosten in den entwickelten Märkten, wirken Investitionen in Aktien eher unattraktiv, da die absolute Rendite meist signifikant unter dem langfristigen historischen Durchschnitt (seit 1990) liegt. Ein anderes Bild zeigt sich, wenn statt absoluten Zahlen relative Bewertungen betrachtet werden: Gemessen an der Risikoprämie sind Aktien verglichen mit der Historie aktuell sehr attraktiv bewertet. So liegen die aktuellen Kapitalkosten in den USA rund 1,5 Prozentpunkte unter dem historischen Durchschnitt, während die Risikoprämie ungefähr 1,4 Prozentpunkte höher liegt als in der Vergangenheit.

Besonders attraktiv bewertet sind aktuell Aktien in Japan und Deutschland – und zwar sowohl unter relativen aber auch unter absoluten Gesichtspunkten. So bieten japanische und deutsche Aktien eine so hohe Risikoprämie wie noch nie (100 Prozent Perzentil), während die Eigenkapitalkosten in Japan deutlich und in Deutschland leicht über dem historischen Durchschnitt liegen.

Diese Bewertungen kommen wenig überraschend: Stark expansive Geldpolitik und der daraus resultierende „Hunt for Yield“ haben die Renditen festverzinslicher Anlagen rapide sinken lassen (siehe obenstehende Grafik) und Aktienmarktbewertungen in die Höhe getrieben. Deutsche sowie japanische Aktien gelten v. a. aufgrund ihrer schwachen Wachstumsaussichten jedoch als Value-Märkte und würden signifikant von einem Erholen der volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitieren.