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Laternenfest in China: Uraltes Spiel mit dem Feuer

China beginnt mit Kapitalkontrollen Drache an der Kette

Die chinesischen Investitionen im Ausland steigen in immer höherem Maße an. Ohne für allzu große Aufregung an den Märkten zu sorgen, versucht Chinas Führungsspitze, den verhängnisvollen Drive abzuschwächen.

23.08.2017 - 10:30 Uhr | Von:  in Märkte

Vor wenigen Tagen wurde bekannt: Die chinesische Führung will den Unternehmen des Landes bei Investitionen im Ausland verstärkt auf die Finger sehen. Kapitalintensive Zukäufe in den Bereichen Hotellerie, Immobilien und Unterhaltung werden eingeschränkt, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Auch Sportclubs will Peking an die Kandare nehmen: Der Fußballer Carlos Tévez bezieht umgerechnet 40 Millionen Euro Gehalt in China, für den brasilianischen Fußballstar Oscar wurden jüngst 60 Millionen Euro Ablöse bewilligt.

Weil Chinas große Wirtschaftssektoren, zu denen nicht zuletzt der Sport gehört, teils aberwitzige Summen außer Landes schaffen, wendet sich Chinas Führungsspitze seit einigen Monaten mit wachsender Vehemenz gegen „irrationale“ Investitionen jenseits der Realwirtschaft. Das bislang für Auslandsinvestitionen vorgesehene Geld soll stattdessen in den Ausbau der „Seidenstraße“ fließen. Chinas Investitionsprogramm zum Ausbau einer leistungsfähigen Frachtverkehr-Route nach Europa, für das zum Beispiel der griechische Hafen Piräus gekauft wurde und eine Eisenbahnlinie auf dem Balkan saniert wird, umfasst umgerechnet 770 Milliarden Euro.

Neuerdings auch offizielle Eingriffe

Die Führung in Peking sieht sich bereits seit einiger Zeit gezwungen, mit Kontrollen eine massive Kapitalflucht aufzuhalten. Doch eine offizielle Verlautbarung wollte das Finanzministerium bislang dazu nicht herausgeben. Zu groß war offenbar die Angst der Regierenden vor Konfusion und Misstrauen unter den einheimischen Investoren.

So blieb es zum Jahreswechsel 2016/17 zunächst bei mündlichen Ermahnungen.  Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, baten beispielsweise chinesische Finanzbeamte Banker in Shanghai und Peking zu Zusammenkünften hinter verschlossenen Türen. Den Entscheidern aus den Teppichetagen der Finanzhäuser wurden mündlich neue Regeln mitgeteilt, die im Kampf gegen die Kapitalflucht umgehend umzusetzen waren. Demnach dürfen auf Yuan lautende Überweisungen nur noch getätigt werden, wenn exakt die gleiche Summe wieder nach China zurückfließt. Zuvor hatten deutlich lockere Quoten gegolten.