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Experten

Schroders
Skyline von Seoul: Südkoreas Volkswirtschaft ist in vielerlei Hinsicht hochentwickelt – jedoch nicht der Kapitalmarkt des Landes | © Getty Images

China, Indien, Südkorea, Russland und Brasilien „Schwellenmärkte verfügen über ein gewaltiges Entwicklungspotenzial“

Um zu den Developed Markets aufzuschließen, haben Schwellenländer noch einen langen Weg vor sich. Alan Ayres, Investment Director im Schwellenländer-Team von Schroders, zu den Chancen für Anleger.

20.12.2019 - 16:02 Uhr | in Schroders

Herr Ayres, warum sollten viele Schwellenländer in den kommenden Jahren gut vorankommen? Wo stehen die Länder derzeit im Vergleich zu den entwickelten Ländern?

Alan Ayres: Einige der Schwellenländer, die im MSCI Emerging Markets Index gelistet sind, haben eine hervorragend entwickelte Wirtschaft. Die jeweiligen Kapitalmärkte sind jedoch häufig noch nicht so weit. Südkorea und Taiwan sind äußerst hochentwickelte Volkswirtschaften. Internationale Investoren, die Zugang zu ihren Aktienmärkten suchen, müssen sich auf Probleme einstellen, etwa wegen der Handelbarkeit der Währung.

China hat sich seit 40 Jahren rasant entwickelt, das heutige Pro-Kopf-Einkommen liegt bei ungefähr 9.000 US-Dollar. Anfang der 2000er Jahre lag der Wert noch bei nur 1.000 US-Dollar. Doch 9.000 US-Dollar ist immer noch bescheiden im Vergleich zum japanischen Pro-Kopf-Einkommen von 40.000 US-Dollar oder Deutschland mit knapp 48.000 US-Dollar. Beide Länder bleiben wiederum deutlich hinter den USA mit ihrem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 60.000 US-Dollar zurück. Zählt China auf der Grundlage des Pro-Kopf-Einkommens demnach schon zu den Developed Markets? Noch nicht, das ist offensichtlich – auch wenn das Land aufholt und in Bezug auf die absolute Größe die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist.

Ähnlich wie China befinden sich aber viele Volkswirtschaften in den Schwellenmärkten auf einem ähnlichen Weg, oder? Was müssen Anleger wissen?

Ayres: Dass diese Märkte sich am Ende des Tages so entwickeln und „aufholen“, wie im allgemein erwartet, ist nicht selbstverständlich. Es gibt viele Risiken. In China beispielsweise ist es die Demografie, die zukünftiges Wachstum bremsen könnte. Dennoch: Gegenüber den Developed Markets verfügen Schwellenmärkte über ein gewaltiges Entwicklungspotenzial. Das macht die jeweiligen Kapitalmärkte für Anleger so interessant.

Doch es gibt Zeiten, in denen diese Märkte outperformen, und es gibt Zeiten, in denen die Märkte enttäuschen. Abgesehen von einer kurzen Phase infolge der Finanzkrise ist der MSCI EM Index hinter der Performance des US-Marktes zurückgeblieben. Diese Volatilität entmutigt viele Anleger. Aber um die Schwellenmärkte kommt aus fundamentaler Hinsicht und von den niedrigen relativen Bewertungen her kein Anleger herum. Es gilt jedoch, bei der Auswahl chancenreicher Assets sehr selektiv vorzugehen, sowohl auf Länderebene als auch bei Einzeltiteln. Ein umsichtiges Fondsmanagement ist hier unabdingbar.

Welche Schwellenmärkte sind derzeit am interessantesten?

Ayres: In diesem Zusammenhang ist immer zu klären, welcher Zeithorizont betrachtet werden soll. Auch die Frage des Einstiegs-Timings ist nicht unwichtig. Wir fragen uns überdies auch, ob wir bestimmte Länder in unserem Portfolio, beispielsweise Brasilien, gegenüber der Benchmarkt-Gewichtung im MSCI Emerging Markets Index in unseren eigenen Portfolios übergewichten wollen. Das Gleiche gilt beim Untergewichten gegenüber der Benchmark. So sind wir im Moment etwa bei Südafrika untergewichtet.