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Neujahrs-Feierlichkeiten in Peking: Die Bedeutung der großen Volkswirtschaften Asiens wird 2020 und darüber hinaus weiter zunehmen.  | © Imago Images / VCG

Chinesische Aktien „China jetzt übergewichten“

Jie Song ist Aktienstratege bei UBS Asset Management (UBS-AM). Im Interview erläutert er, warum China trotz aktueller Krisenlage in jedem Portfolio vertreten sein sollte.

11.02.2020 - 09:02 Uhr |

multiasset.com: Herr Song, was spricht trotz der aktuellen Turbulenzen für chinesische Aktien? Warum sollten Anleger gerade jetzt China in den Blick nehmen?

Jie Song: Werfen wir einen Blick auf die Statistik: Das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) macht etwa 16 Prozent der Weltwirtschaft aus. Zum Vergleich: Das US-BIP beträgt 25 Prozent. In breiten Indizes zeigt sich jedoch ein Ungleichgewicht: 50 Prozent der Titel darin entfallen auf den US-Markt, während China lediglich mit 3,6 Prozent vertreten ist. Diese Verzerrung wird sich im Lauf der Zeit ändern, Anlegern bietet sich hier enormes Potenzial.

China hatte vor 30 Jahren ein Bruttoeinkommen pro Kopf von 1.000 US-Dollar. Jetzt liegt der Wert bei knapp 10.000 US-Dollar – während die USA mit rund 63.000 US-Dollar aufwarten. Auch hier ist noch Luft nach oben.

Song: China wächst weiterhin schnell. 2019 hat das Bruttoeinkommen pro Kopf die Schwelle von ungefähr 10.000 US-Dollar erreicht. Obwohl die Zeit von zweistelligen BIP-Wachstumsraten vorbei ist, wachsen auserwählte Firmen weiterhin sehr solide und bieten Anlegern gute Anlagemöglichkeiten, gerade auch in Zeiten, in denen die Märkte etwas volatiler sind, wie zum Beispiel jetzt, wo der Coronavirus stark in den Medien vertreten ist.

Welche Sektoren schaffen es bevorzugt in Ihr Portfolio?

Song: Grundsätzlich sind wir „Stockpicker“. Es gibt zahlreiche Sektoren, die weiterhin stetig wachsen dürften. Unser Fokus liegt auf Megatrends in den Bereichen Konsum, Health Care und demografischer Wandel. Zusätzlich beobachten wir den Wachstumsmarkt Urbanisierung, der vor allem in Zentralchina vor großen Entwicklungsschüben steht.

Gibt es Sektoren, die Anleger bislang noch nicht richtig auf dem Schirm haben? Wie sieht es im Bereich IT-Technologie aus?

Song: Dieser Markt bietet Chancen, aber wir konzentrieren uns auf Firmen in anderen Sektoren wie zum Beispiel Consumer und oder Health Care, wo wir mehr Aufwärtspotential sehen. Der Handelsstreit zwischen China und den USA hat dazu geführt, dass China autonomer werden will, was zum Beispiel in der Chip-Herstellung zu erkennen ist. Der chinesische IT-Sektor ist interessant, benötigt aber noch viel Zeit.