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„China jetzt übergewichten“

11.02.2020 09:02 Uhr |

Könnten Sie einige Unternehmen nennen, in die Ihr Team investiert?

Song: Wir halten den weltgrößten Online-Händler Alibaba im Portfolio, aber auch kleinere Firmen wie den Bildungsdienstleister TAL Education. Die Chinesen legen sehr viel Wert auf Bildung. TAL Education ist eine erstklassige Firma in diesem Bereich und deshalb für uns interessant.

Sprechen wir über Nachhaltigkeit. Wie gehen Sie bei der Auswahl der Assets vor?

Song: Das chinesische Anlageangebot ist sehr breit. Es stehen über 3.000 Titel zur Verfügung. Davon haben wir 40 bis 70 Werte im Portfolio. Wir achten zum einen darauf, dass es sich um Qualitätsunternehmen handelt. Zum anderen beziehen wir ESG-Kriterien in unsere Analysen ein. Insgesamt stellen wir aber fest, dass die Firmen in China bei diesem immer wichtigeren Thema nicht auf dem Stand von Europa sind – aber sie holen schnell auf.

Peking hatte in den vergangenen Jahren Fördermittel für den Kauf von E-Autos vergeben. Die Subventionen wurden aber aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage zurückgefahren. Was ist in diesem Bereich in Zukunft zu erwarten?

Song: Ein Grund für das verlangsamte chinesische Wachstum ist der forcierte Schuldenabbau der Regierung. E-Mobilität wurde zunächst stark unterstützt. Um die Verschuldung der öffentlichen Haushalte nicht zu übertreiben, wurden unter anderem auch gewisse Fördergelder zusammengestrichen. Für Anleger auch interessant: Über E-Mobilität hinaus macht sich China ebenfalls für Brennstoffzellen stark. Das Land versteift sich nicht auf eine Technologie; Anleger sollten diese Flexibilität im Blick behalten.

China will seinen Finanzmarkt immer weiter öffnen. Was bedeutet das für die Anleger? 

Song: Chinesische Unternehmen sind an zwei Handelsplätzen zugelassen. Entweder sind die Aktien in Hongkong als Offshore-Stocks oder im Festland in Shanghai und Shenzen als Onshore-Stocks gelistet. Im Offshore-Segment gibt es mehr E-Commerce Giganten, wie Alibaba und den genannten Bildungsdienstleister TAL Education. Im Onshore-Bereich sind eher traditionelle chinesische Unternehmen gelistet. Allerdings wurde 2019 in Shanghai mit „Star Market“ ein chinesisches Nasdaq- Pendant eröffnet, an dem auch kleinere Tech-Unternehmen an die Börse gebracht werden.

Bei UBS-AM nutzen wir im All China-Fonds die aussichtsreichsten Titel aus On- und Offshore-Märkten. Dabei stehen uns zur Analyse reichlich Ressourcen zur Verfügung: Während das gesamte Emerging Market-Team 25 Kollegen umfasst, betreuen acht Personen den chinesischen Markt.

Letzte Frage: In welchen weiteren Ländern neben China können Anleger mit Wachstumschancen rechnen?

Song: Indien besitzt Aufholpotenzial. Aber auch Indonesien ist ein sehr großer Markt; in unseren Global Emerging Markets-Fonds ist das Land ebenfalls vertreten.