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Experten

Schroders
Arbeiter in einer illegalen Stahlfabrik in China: Die Notenbanken der Schwellenländer können noch reichlich geldpolitische Kohle ins Feuer schaufeln, ohne sich vor ausufernder Inflation fürchten zu müssen.  | © Getty Images

Die wichtigsten Updates zur Geldpolitik – Teil 2 Schwellenländer: Inflation unter Kontrolle

Industrieländern geht der Spielraum für geldpolitische Lockerungen aus; Schwellenländer hingegen können nun ihre Wirtschaften stützen – mit konventionellen Mitteln der Geldpolitik. Wie es um China, Russland und Südamerika steht, erläutern Experten von Schroders im zweiten Teil der Themengalerie.

05.11.2019 12:20 |
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Während die Zentralbanken der Industriestaaten ihre Möglichkeiten zur geldpolitischen Lockerung weitestgehend ausgeschöpft haben, besitzen Schwellenländer noch großen Spielraum. Denn: Viele der Währungshüter in den Schwellenmärkten haben ihre Geldpolitik im Jahr 2018 relativ aggressiv gestrafft. Zwar gab es durchaus Ausnahmen. Aber selbst hier waren die Zinssenkungen in der Regel sehr moderat und weit von den Negativzinsen eines Mario Draghi oder Haruhiko Kuroda entfernt.

Gleichzeitig gibt es keine Anzeichen, dass eine geldpolitische Lockerung die Inflation übermäßig anfachen könnte. „Einer der weniger beachteten Erfolge der Schwellenländer besteht darin, dass ihre Inflation langfristig und bedeutend gesunken ist“, betont Craig Botham, leitender Schwellenländer-Ökonom bei Schroders. Grund dafür sei nicht nur das global sinkende Inflationsumfeld, sondern auch die Tatsache, dass die Zentralbanken der Schwellenländer ihre Glaubwürdigkeit verbessern konnten. „Sie sind jetzt in einer vorteilhaften Position: Sie können ihre Geldpolitik lockern, um die Nachfrage zu fördern oder die Inflation zu stützen, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, aus rein politischen Beweggründen zu handeln“, sagt Botham. Zudem haben die Schwellenländer ihre Geldentwertung so gut kontrolliert, dass die Inflationserwartungen unter Verbrauchern und Unternehmen weiterhin niedrig seien. „Zinssenkungen erzeugen kaum Angst vor ungebremsten Preissteigerungen“, so der Ökonom.

Weniger Spielraum haben die Schwellenländer jedoch für steuerpolitische Maßnahmen. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge weisen die meisten Volkswirtschaften in den Schwellenländern Primärdefizite auf: Die Gesamtausgaben der Regierungen übersteigen die Steuereinnahmen. „Zwar gibt es bei den meisten Staaten noch Luft nach oben für weitere Staatsdefizite – doch das wäre kein guter Startpunkt angesichts einer globalen Konjunktur, die sich verlangsamt“, warnt Botham.

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