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EP-Plenarsitzung vom 26. März 2020: Vergemeinschaftung von Schulden stößt in großen Teilen Europas auf Widerstand | © imago images / Le Pictorium

Geldpolitik in der Eurozone „Corona-Bonds scheinen nicht mehr sehr weit entfernt“

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus werden derzeit zahlreiche Finanzinstrumente eingesetzt – Finanzspritzen, Notkredite und Anleihekäufe. Auch die Idee der Eurobonds kommt wieder auf, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay.

27.03.2020 - 12:02 Uhr | in Märkte

Die neue Marktmacht der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) beim Kauf von Unternehmensanleihen bedeutet, dass die Zentralbanken der finale Käufer im Markt sind (gewissermaßen „buyer of last resort“) und der Steuerzahler letztlich bereitsteht, um die potenziellen Verluste für die Wirtschaft aufzufangen.

Indes – den meisten Schwellenländern steht diese Möglichkeit nicht zur Verfügung, sie sind oft auf externe Kapitalzuflüsse angewiesen. Ohne Ersparnisse oder ausgeglichene Bilanzen wird es spannend sein, wie einzelne Schwellenländer mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein Schulden-Moratorium verhandeln. Dazu kommt: Wenn sich die Spreads von Unternehmensanleihen sowohl mit hoher wie auch mit geringer Bonität deutlich ausgeweitet haben, wird das den Drang von US- und europäischen Investoren reduzieren, Erträge in weit abgelegenen Ländern zu suchen, wenn es genügend Gelegenheiten zu Hause gibt.

Dennoch wäre es falsch, alle Schwellenländer über einen Kamm zu scheren. Es wird Geschichten des Erfolgs und des Scheiterns geben. Jedoch erscheint es uns wahrscheinlich, dass die Staaten mit höheren Ersparnissen und geringerer Verschuldung besser für diesen Sturm gerüstet sind.

Wir glauben, dass die Unsicherheit an den Märkten in den kommenden Wochen noch erheblich sein wird. Es ist unrealistisch zu glauben, dass die Märkte einfach in einer Rally die Verluste genauso schnell wieder aufholen. Jedoch scheint es im Augenblick berechtigt, die Risiken im Portfolio zu erhöhen, um von der starken Reaktion der Geld- und Fiskalpolitik zu profitieren. Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008 haben die Zentralbanken dieses Mal einen viel stärkeren Auffangmechanismus installiert.

Eine Vereinbarung über gemeinsame „Corona-Bonds“ und eine Letztsicherung des gesamten Euroraums durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) liegt vielleicht noch nicht vor – allerdings sieht dieser Schritt zu einer gemeinschaftlichen Haftung für Schulden, der die Eurozone auf eine neue Stufe heben würde, plötzlich nicht mehr weit entfernt aus.