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Telemedizinische Anwendung in einem Krankenhaus in Tansania: Der Gesundheitssektor hat sich in den jüngsten turbulenten Zeiten als zuverlässige Anlagestrategie erwiesen | © imago images / epd

Gesundheitsaktien Ein Fels in der Brandung?

Aktien des Gesundheitswesens haben sich im ersten Quartal 2020 besser entwickelt als alle anderen Sektoren. Doch obwohl die Branche in der aktuellen Corona-Krise im Blickpunkt steht, wirft die Pandemie gleichzeitig auch Fragen nach ihrer weiteren Widerstandsfähigkeit auf, so Vinay Thapar vom Asset Manager AllianceBernstein (AB).

18.05.2020 - 10:40 Uhr |

Viele Gesundheitsunternehmen eint derzeit ein beunruhigendes Merkmal: Sie haben Schwierigkeiten anzugeben, wie hoch die Gewinne in den nächsten sechs Monaten ausfallen werden.

Druck von verschiedenen Seiten

Vinay Thapar, Portfoliomanager und Research-Analyst für US-Wachstumsaktien bei AllianceBernstein, sieht mehrere Gründe, die den Sektor gegenwärtig vor ungewöhnliche Herausforderungen stellen:

  • Schließung von Arztpraxen: Vielerorts wurden Arztpraxen geschlossen, weil Patienten aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Covid-19-Virus nicht mehr einen Arzt aufsuchten. Allgemeinmediziner aber auch Tierärzte schlossen ihre Praxen.
  • Verschiebung von Behandlungen: Viele Operationen, Behandlungen chronischer Krankheiten, Orthopädie und andere medizinische Dienstleistungen wurden zugunsten der Behandlung von Covid-19-Patienten zurückgestellt. Gerade große medizinische Einrichtungen erzielen aus den genannten Behandlungen jedoch den größten Teil ihrer Einnahmen. Auch die Zahl der Behandlungen in Notaufnahmen ist stark zurückgegangen, weil viele Menschen zuhause bleiben anstatt zum Arzt zu gehen.
  • Gebremste Forschung: Als Antwort auf den weltweiten Ruf nach einem Impfstoff und Therapien haben die großen Pharmakonzerne viele ihrer Forschungsressourcen umgeleitet.

Pandemie beschleunigt Wandel

Dennoch ist Thapar überzeugt, dass Anleger defensive Gesundheitsaktien finden können, die interessante langfristige Wachstumsaussichten bieten: Was den Gesundheitssektor zu einem Dauerbrenner macht, sind die Unternehmen, die alle Widrigkeiten überstehen, so der Experte. Deshalb ist es wichtig, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse genau im Blick zu behalten und die Grundlagen jener Gesundheitsunternehmen zu kennen, die für die Zukunft gerüstet sind.

Thapar zufolge umfasst das Gesundheitswesen viele Spezialgebiete, von denen einige direkt vom Umbruch profitieren können. Beispiele hierfür sind Anwendungen im Bereich Telemedizin sowie virtuelle Produktmarketingstrategien der Pharmaunternehmen. Tatsächlich hat das Gesundheitswesen bei der Einführung neuer Technologien in der Vergangenheit nur zögerlich Fortschritte gemacht. Es bedurfte einer Krise, um einen Innovationsschub auszulösen, beobachtet Thapar.

Nicht alles auf eine Karte setzen

Diejenigen Unternehmen, die einen Impfstoff gegen Covid-19 finden, werden wahrscheinlich als die Gewinner aus der aktuellen Krise hervorgehen. Dennoch warnt der AllianceBernstein-Experte Anleger davor, aus reiner Hoffnung auf ein Blockbuster-Medikament die Bäume in den Himmel wachsen zu sehen – weil für das betreffende Medikament letztlich die Profitabilität bescheiden bleiben könnte. Anleger, die sich für Gesundheitsaktien interessieren, sollten vorrangig auf solide Fundamentaldaten wie gesunde Bilanzen und dauerhafte Wettbewerbsvorteile achten.

Warum die Branche neben Wachstumsaussichten auch mit defensivem Charakter punktet und von welchen weiteren Faktoren Gesundheitsaktien jetzt profitieren könnten, lesen Sie im Blog: Bieten Gesundheitsaktien Schutz in der Pandemie?