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Desinfektions-Station in der New Yorker Börse: Bei US-Aktien weisen mehr als 70 Prozent der Unternehmen im S&P 500 Index eine Dividendenrendite auf, die höher ist als die 10-jähriger US-Staatsanleihen | © imago images / Xinhua

Globale Aktien Niedrige Bewertungen, langfristige Kaufgelegenheiten

Noch lässt sich die Tiefe und Dauer des wirtschaftlichen Abschwungs nicht genau vorhersagen. Fast alle Portfoliomanager von J.P. Morgan AM sind jedoch der Meinung, dass diese Kombination aus stark negativer Stimmung und attraktiven Bewertungen eine solide langfristige Kaufgelegenheit darstellt, so Paul Quinsee, Global Head of Equities beim US-amerikanischen Asset Mananager.

21.04.2020 - 10:51 Uhr | in Artikel

Unsere Investmentexperten haben viele Jahrzehnte lang zahlreiche Turbulenzen an den Aktienmärkten erlebt, aber wir haben noch nie eine so plötzliche und dramatische Veränderung des Ausblicks gesehen, wie in den vergangenen Wochen. Die Baisse, die ausgebrochen ist, vollzieht sich mit Rekordgeschwindigkeit, und die Märkte auf der ganzen Welt befinden sich in einem schwindelerregenden Kollaps, in dem die Volatilität in nur wenigen Börsensitzungen von historisch niedrigen Ausprägungen auf Rekordwerte gestiegen ist.

Alle Annahmen über die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne, die die Anleger zu Beginn dieses Jahres gemacht haben, sind jetzt irrelevant, da sich die kurzfristigen Aussichten mit verblüffender Geschwindigkeit geändert haben. Da sich die Auswirkungen der COVID-19-Krise in hochfrequenten Wirtschaftsdaten allmählich bemerkbar machen, ist es klar, dass wir im zweiten Quartal weltweit einen wirtschaftlichen Shutdown und nicht einen konjunkturellen Abschwung erleben werden, wobei die Tiefe und Dauer dieses Abschwungs nach wie vor sehr schwer abzuschätzen sind. Die Verbraucherausgaben waren vor März eine Quelle der Stärke in einer eher verhaltenen Wirtschaft, aber dieses Bild hat sich nun verändert.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint es durch die raschen und aggressiven Maßnahmen der US-Notenbank FED und anderer Zentralbanken gelungen zu sein, die am stärksten belasteten Segmente der Anleihen- und Geldmärkte mit Liquidität zu versorgen, wodurch eine noch ernstere Finanzkrise abgewendet werden dürfte. Allerdings liegen trotz der umfangreichen staatlichen Ausgabenprogramme, die im März ebenfalls mit beeindruckender Geschwindigkeit angekündigt wurden, die wirklich schlechten Wirtschafts- und Gewinndaten noch vor uns.

Die Bewertungen an den Aktienmärkten sind jetzt viel niedriger, und unsere Messungen des kurzfristigen Marktsentiments, das wir tendenziell als konträren Indikator betrachten, deuten bereits seit Mitte Februar nicht mehr auf Selbstzufriedenheit hin, sondern auf eine ausgewachsene Krise und Panik-Niveau. Die beobachtbare Unsicherheit ist so dramatisch hoch wie im Zeitraum 2008/09.

Innerhalb der Märkte hat sich die Bewertungslücke zwischen hoch- und niedrigpreisigen Aktien in den letzten drei Jahren stetig vergrößert, und dieser Prozess hat sich zuletzt erheblich beschleunigt. Substanzwerte wurden kräftig abgestoßen und zehrten alle Gewinne der letzten fünf Jahre auf. Dies führt dazu, dass viele Unternehmen in den Branchen, aus denen der Großteil der Value-Indizes (Industrie, zyklische Konsumgüter, Energie und Finanzen) besteht, mit enormen Abschlägen gegenüber dem Gesamtmarkt gehandelt werden. Tatsächlich hat die Kluft zwischen niedrig- und hochpreisigen Aktien ein Rekordniveau erreicht, da sich letztere jüngst als relativ widerstandsfähig erwiesen haben.

Chancen

Während unserer vierteljährlichen Strategiesitzung für globale Aktien Anfang April erwarteten fast alle unsere Portfoliomanager von diesem Punkt aus attraktive Renditen für die nächsten Jahre. Trotz des Ausmaßes des gerade beginnenden Abschwungs ist die Kombination aus äußerst negativer Stimmung und attraktiven Bewertungen unserer Ansicht nach eine lohnende Zeit, um langfristig zu investieren.

Nach dem raschen Ausverkauf sehen die Aktienmärkte für uns sehr vernünftig bewertet aus – und in vielen Fällen geradezu billig. Unsere bevorzugte Kennzahl für Schwellenländer in Stressphasen – das Preis-Buch-Verhältnis – ist auf ein Niveau gefallen, das während der Tiefpunkte der meisten früheren Krisen erreicht wurde, wenn auch nicht ganz gemäß den Tiefstständen von 1998. Europäische und japanische Aktien werden mit den niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnissen seit langem gehandelt. Die Bewertungen von US-Aktien mit hoher Marktkapitalisierung sind jetzt viel weniger ausgereizt, jedoch immer noch mit einem Aufschlag gegenüber anderen Märkten versehen (was wir durchaus für gerechtfertigt halten). Alles in allem glauben unsere Portfoliomanager weltweit, dass geduldige Anleger dies als guten Einstiegspunkt für Aktieninvestitionen ansehen sollten.