Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
Börse New York: Value-Aktien sind vielleicht die einzige Anlage, bei der die Preise noch Chancen bieten | © Getty Images

Globale Aktien Value Investing ist nicht tot

Günstig bewertete Titel haben seit längerem an der Börse einen schweren Stand. Doch das eröffne, ebenso wie in früheren Börsenphasen, große Chancen für langfristig orientierte Anleger, so Georg von Wyss vom Schweizer Fondsverwalter BWM.

10.02.2020 - 09:58 Uhr | in Artikel

„Value Investing ist nicht tot“, betont Georg von Wyss, Mitgründer des Schweizer Fondsverwalters BWM AG (Braun, von Wyss & Müller) und Manager der Deep-Value-Fonds Classic Global Equity Fund und Classic Value Equity Fund. Zwar hätten günstig bewertete Titel seit längerem an der Börse einen schweren Stand. Doch das habe es in der Vergangenheit schon öfter gegeben und eröffne, ebenso wie in früheren Börsenphasen, große Chancen für langfristig orientierte Anleger.

Tatsächlich hat der Value-Stil über die letzten Jahre relativ schlecht abgeschnitten, wie Marktkenner von Wyss einräumt, wohingegen hochkapitalisierte Wachstumswerte, vor allem große US-Technologie-Aktien und als solide geltende Dividendentitel das Rennen machten. Die zunehmende Beliebtheit des passiven Investierens verstärkt diesen Trend zusätzlich. Es scheint fast so, als lohne es nicht mehr, unterbewertete Aktien zu kaufen, in der Erwartung, dass der Markt die Fehlbewertung früher oder später korrigiert. Dem widerspricht der Fondsmanager energisch: „Diese Situation ergibt historisch keinen Sinn!“

Erkenntnisse der Wissenschaft stützen Value-Segment

Langfristige Vergleichszahlen – beispielsweise von Professor Ken French und Nobelpreisträger Professor Eugene Fama – zeigen, dass Value-Aktien, besonders kleinere, den breiten Markt und auch große, relativ teure Titel langfristig deutlich schlagen. „Nimmt man zum Beispiel die sechs Portfolios, die Fama/French auf Basis der Preis/CashFlow-Ratio bilden, so wurden aus 100 USD, welche 1951 in kleine Value-Titel investiert wurden, nach fast 70 Jahren 3,3 Millionen USD. Im Vergleich dazu wuchsen dieselben 100 USD, sofern sie wie der Marktindex von Fama/French investiert wurden (heute: über einen ETF), nur auf 127.000 USD an“, rechnet von Wyss vor.

Die Fama/French-Zahlen zeigen auch, dass es immer schon Phasen gab, in denen der Value-Stil relativ schlecht performte, um am Ende doch seine Chancen auszuspielen. Von Wyss erinnert an die Internetspekulationsblase, bei der Value-Investoren so sehr im Hintertreffen lagen, dass etliche Fonds massive Mittelabflüsse hinnehmen mussten. Bis Ende März 2000 die Internetblase platzte und Value-Titel sich wieder als langfristig beste Performer etablierten.

Desgleichen in den 1970er-Jahren, als die sogenannten „Nifty-Fifty“ – also stolz bewertete Wachstumsaktien –, den amerikanischen Markt dominierten, bis die Party im Sommer 1973 endete. Zu dieser Gruppe gehörten Firmen wie Disney, die zwar vorübergehend an Wert verloren, aber bis heute überlebten. Weniger Erfolg hatten Polaroid und Kodak, die ebenfalls dazu gehörten. „Das erinnert daran, dass Technologien obsolet werden können – eine Erkenntnis, die heute, wo riesige Technologiefirmen die Börsenstars sind, besonders wichtig ist“, mahnt von Wyss.

Es ist zugegebenermaßen schwer, in einer Phase großer Underperformance an die langfristige Überlegenheit des Value Investing zu glauben. „Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Fans von teuren Wachstumstiteln tendenziell die Chancen über- und die Risiken unterschätzen“, sagt der Value-Experte. Bei unterbewerten Aktien ist es umgekehrt. „Früher oder später werden die Anleger, anstatt kurzfristige Kurseinbußen zu fürchten, die Gewinnchancen von den vielen, deutlich unterbewerteten Aktien nicht mehr ignorieren können. In Anbetracht der tiefen, zum Teil negativen Zinsen, der hohen Immobilienpreise und der teuren Wachstumsaktien sind Value-Aktien vielleicht sogar die einzige Anlage, bei der die Preise noch attraktiv sind.“