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Experten

Schroders
DHL-Frachtzentrum in Leipzig: Der Umstieg vieler Verbraucher auf den Online-Handel führt dazu, dass die Nachfrage nach Lagerräumen und Verteilerzentren wächst | © imago images / Stefan Noebel-Heise

Immobilienbranche Konsolidierung und dauerhafter Wandel – Immobilien in der Corona-Krise

Die Verwerfungen, die durch die Maßnahmen der Regierungen gegen die Ausbreitung von Covid-19 entstanden sind, haben auch die Immobilienbranche nicht verschont. Doch das Bild ist alles andere als nur schwarz oder weiß, sagt Philipp Ellebracht, Head of Real Estate Product Continental Europe bei Schroder Real Estate.

13.05.2020 - 15:12 Uhr | in Schroders

Unter normalen Umständen sind Mieteinnahmen stabil und vorhersehbar – das macht ihren Reiz für Investoren und Kreditgeber aus. Selbst in der globalen Finanzkrise fielen beispielsweise die Mieteinnahmen weniger als die Kaufpreise. Nun befinden wir uns jedoch in einer Sondersituation: Die Regierungen haben das öffentliche Leben sowie große Teile der Produktion stillgelegt. Auch hier gibt es sowohl Verlierer als auch Gewinner.

Wer sich jetzt kein digitales Standbein aufbaut, wird im Handel das Nachsehen haben

Ein klarer Verlierer der gegenwärtigen Einschränkungen ist der Einzelhandel. In weiten Teilen Europas wurden Geschäfte, die nicht dringend für die Grundversorgung benötigt werden, geschlossen. Nur noch Banken, Lebensmittelgeschäfte und Apotheken sind geöffnet und selbst nach den nun anstehenden erheblichen Lockerungen bleiben viele Probleme für einige Einzelhändler weiterhin bestehen.

Die Situation ist eine Art Brandbeschleuniger für Firmen mit wackelnden Geschäftsmodellen und solche, die vorher schon finanzielle Probleme hatten. Die Corona-Krise wird für einige das Aus bedeuten – und die Zahl der Insolvenzen wird wahrscheinlich zunehmen.

Dennoch beobachten wir eine erhebliche Verlagerung der Kaufkraft vom stationären Einzelhandel in Richtung virtueller Einzelhandel. Wenn Menschen nicht mehr in Geschäften einkaufen und in Restaurants essen können, steigen sie aufs Internet um – der Konsum verlagert sich vom Geschäft auf der Straße zum iPad. Läden und Restaurants, die eine benutzerfreundliche Web-Präsenz haben und deren Waren und Gerichte online bestellt und geliefert werden können, sind daher klar im Vorteil gegenüber jenen, die im Hinblick auf die digitale Präsenz hinterherhinken. Wer sich jetzt nicht für die Digitalisierung fit gemacht hat, der verhält sich grob fahrlässig.

Die Corona-Krise wird langfristige Folgen haben. Durch das Sterben kleinerer Geschäfte könnte die Markenvielfalt kurzfristig geringer werden, eine große Konsolidierungswelle dürfte über die Branche hinwegrollen und die großen Akteure auf dem Markt werden die Chance nutzen, um sich größere Marktanteile zu sichern. Gleichzeitig wird der Marktanteil des Online-Handels nach der Aufhebung der Einschränkungen wahrscheinlich nicht auf das Vorkrisenniveau zurücksinken. Denn: Menschen, die zuvor eine gewisse Scheu davor hatten, Dinge übers Internet zu kaufen, werden diese aufgrund der Ladenschließungen nun überwinden müssen – und sie nicht wiedergewinnen. Wir rechnen damit, dass sich der Anteil des Online-Handels substantiell nachhaltig erhöhen wird.

Logistik profitiert von Online-Shopping und Homeoffice

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass es wenig rosig für den Logistiksektor aussehen könnte: Während viele Betriebe stillgelegt wurden, um die gesundheitliche Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten, mussten andere ihre Tätigkeit unterbrechen, weil Lieferketten unterbrochen wurden. Dies hat auch einen Effekt auf die Logistikbranche und ihre vielfältigen Lieferketten. Wesentlich allerdings hat der durch Covid-19 erzwungene Umstieg vieler Verbraucher auf den Online-Handel dazu geführt, dass die Nachfrage nach Lagerräumen und Verteilerzentren rasant wächst. So hat der Internetgigant Amazon angekündigt, global 100.000 zusätzliche Mitarbeiter anzuheuern. Dieser Trend mag im Laufe der Zeit wieder etwas unterbrochen werden; allerdings wird sich am grundsätzlichen digitalen Kaufverhalten nichts ändern – und der Digitalisierungstrend wird tendenziell eher nachhaltig verstärkt.

Vom zunehmend digital verlaufenden Leben profitieren Rechenzentren im besonderen Maße. Wenn Menschen nicht nur übers Internet einkaufen, sondern auch online lernen, arbeiten, kommunizieren und nach Unterhaltung suchen, wird immer mehr Rechenleistung benötigt. Das belegt die gestiegene Nachfrage nach Computer-Chips, die die Chiphersteller von Seiten der Anbieter von Rechenzentren vermelden. Dieses Segment wird wachsen – und dürfte sich dank seiner abgelegenen Lagen und dem geringen Personalbedarf als überaus widerstandsfähig erweisen. Einen Engpass könnte hier der Zugang zu Glasfaserkabeln darstellen, zusammen mit der Notwendigkeit, ausreichend Sicherheitsstandards zu schaffen und die Kühlung der Computer zu gewährleisten.