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Von Selfie bis Mobile Payment: Für viele Inder ist das Smartphone auch beim Bezahlen erste Wahl | © Getty Images

Janus Henderson Investors zu Mobile Payment „Indien und China zeigen uns, wie mobiles Bezahlen geht“

Mobile Payment gehört in Indien und China bereits zum Alltag – und funktioniert aus einer Reihe von Gründen sehr gut, beobachtet Alison Porter, Portfoliomanagerin im Global Technology Team bei Janus Henderson Investors.

17.10.2019 - 10:30 Uhr | in Märkte

multiasset.com: Frau Porter, weltweit lösen digitale Bezahlsysteme das Bargeld ab. Was sind die entscheidenden Treiber hinter dieser Entwicklung?

Alison Porter: Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen folgt den klassischen Mustern bei Technologien, die den Komfort für die Verbraucher erhöhen. Getrieben wird die zunehmende Nutzung digitaler Zahlungsmittel durch die Umstellung von Bargeld auf Debit- und Kreditkarten. Das geht in den entwickelten Volkswirtschaften mit der Einführung neuer Technologien wie Apple Pay einher, während sich in Entwicklungsländern zunehmend der mobile Zahlungsverkehr etabliert.

Worauf begründet sich dieser Erfolg?

Porter: Neben der Kosten- und Zeitersparnis für die Nutzer sind elektronische Zahlungen zuverlässiger und sicherer und zudem flexibler und jederzeit verfügbar. Gleichzeitig sorgen die aktuellen technologischen Trends für neue Geschäftsprozesse und verändern bestehende. Dabei geht es auch um das verbesserte Kundenerlebnis, die sogenannte Customer Experience. Sie verändert die Art und Weise von fast allem, was wir in unserem Leben machen. Doch egal, ob wir per Uber-App ein Taxi rufen oder Filme auf Netflix schauen: All diese Aktivitäten erfordern digitale Zahlungen.

Welche Rolle spielt die demografische Entwicklung dabei?

Porter: Der demografische Wandel ist ein wichtiger Treiber für die Einführung neuer Technologien. Bis zum Jahr 2020 werden die Millennials und die Generation Z, also die zwischen 2000 und 2010 Geborenen, mehr als 59 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Diese beiden Gruppen wollen keine Zeit damit verbringen, in der Bank Schlange zu stehen. Sie mögen es bequem und suchen Produkte und Dienstleistungen, die sich nahtlos in ihr Leben einfügen. Und sie misstrauen Großbanken.

Lassen Sie uns über das rasante Wachstum mobiler Bezahlsysteme in den Schwellenländern sprechen. Woran liegt das?

Porter: Dafür gibt es vier Ursachen. Erstens die Verbreitung von Mobiltelefonen in den vergangenen Jahren und zweitens die fehlende Banken-Infrastruktur. Vor allem in Afrika und Indien überspringen Verbraucher, die bisher „underbanked“ waren, das traditionelle Banksystem gleich ganz. Drittens ist die Demografie entscheidend für das Wachstum. Die Hälfte der gesamten globalen digitalen Zahlungen hat mittlerweile ihren Ursprung in China, wo 48 Prozent der Bevölkerung zwischen 25 und 54 Jahre alt ist. Dort ist in dieser Altersgruppe digitales Bezahlen die Regel.

Und die vierte Ursache?

Porter: Der vierte Grund ist die Unterstützung seitens der Regierung. Indien etwa stieß im Jahr 2016 eine teilweise Abschaffung von Bargeld an, eine sogenannte Demonetisierung. Eine der zugrundeliegenden Überlegungen war es, dass Volumen digitaler Zahlungen binnen zwei Jahren zu verdoppeln. Der Plan ging auf.

Hinzukommt, dass sich Verbraucher in Indien und China weniger um Datenschutz als vielmehr im Sicherheit sorgen. Deshalb ist eine biometrische Authentifizierung dort gang und gäbe. Vor diesem Hintergrund können wir in Schwellenländern einen verstärkten Einsatz von Gesichtserkennungstechniken beobachten.

Wie bedroht ist das Geschäftsmodell von etablierten Bezahldienstleistern durch Konkurrenzprodukte von Apple, Alphabet und Facebook?

Porter: Die Bedrohung beziehungsweise der Erfolg variiert je nach Region und hängt von der vorhandenen Infrastruktur ab. So arbeiten Technologieunternehmen aus den USA und Großbritannien zunehmend mit bestehenden Finanzunternehmen zusammen. Apple etwa hat gemeinsam mit Mastercard und Goldman Sachs eine Kreditkarte auf den Markt gebracht, die von Apple entworfen wurde und vermarktet wird. Die Kartennutzung will Apple mit Gutschriften von bis zu 3 Prozent auf jeden Umsatz belohnen.