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Jeroen Blokland, Head of Multi Asset bei Robeco: „Fallende Bewertungen sind positiv für die Aktienmärkte.“  | © Robeco

Jeroen Blokland, Robeco „ESG-Daten sind integraler Bestandteil unserer Fonds“

Die Risiken an den Märkten werden auch 2020 nicht weniger, sagt Jeroen Blokland, Head of Multi Asset bei Robeco. Deshalb komme es auf aktiv gemanagte, flexible Multi-Asset-Lösungen an, die auch in volatilen Marktphasen stabile Erträge liefern.

24.02.2020 - 15:41 Uhr | in Aktien

multiasset.com: Herr Blokland, 2019 war für Aktien und Anleihen ein sehr gutes Jahr. Wird sich diese Entwicklung fortsetzen?

Jeroen Blokland: Unser grundsätzliches Szenario aus dem vergangenen Jahr hat unverändert Bestand: Aktien werden solange weiter steigen, bis die schwelende Rezession eintritt, was in den USA ja bereits geschieht. Dem gegenüber werden Themen wie der Brexit oder der Handelskonflikt zwischen den USA und China deutlich geringere Auswirkungen auf die globale Wirtschaft haben. Deshalb setzen wir auf die Übergewichtung von Aktien in unserem Multi-Asset-Portfolio – auch wenn wir unseren Aktienanteil in den vergangenen Wochen wegen des Coronavirus und seiner möglichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft leicht zurückgefahren haben.

Lässt sich schon abschätzen, wie sich das Virus auf die chinesische Wirtschaft auswirken wird?

Blokland: Wie umfassend die Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft sein werden, ist schwer zu sagen. Allerdings können wir die Folgen bis zu einem gewissen Grad berechnen, wenn wir uns die derzeitige Wirtschaftskraft chinesischer Städte mit 10 Millionen und mehr Einwohnern anschauen. Ebenso sind die Buchungszahlen im chinesischen Hotelgewerbe und den chinesischen Fluggesellschaften ein guter Indikator, um die wirtschaftlichen Folgen des Virus abschätzen zu können. Deshalb versuchen wir, so schnell wie möglich herauszufinden, ob unser Basisszenario noch intakt ist. Ist dem so, werden wir kurzfristig wieder zu einer Übergewichtung bei Aktien übergehen. Aber im Moment ziehen wir den Modus des Abwartens vor.

Wie stehen Sie zu alternativen Anlagen, die nicht mit den Märkten korreliert sind, zum Beispiel die Sektoren Infrastruktur und Immobilien?

Blokland: Diese Sektoren decken wir aus verschiedenen Gründen nicht in unserem Portfolio ab. Ein Grund ist, dass diese Anlageklassen derzeit noch teurer sind als etwa hochverzinsliche Anleihen oder Aktien. Die einzige Alternative, die wir in Betracht ziehen, sind Rohstoffe. Doch aufgrund des Coronavirus, und weil China der größte Abnehmer von Rohstoffen ist, halten wir uns hier derzeit zurück. Sollte der Coronavirus-Ausbruch jedoch ohne allzu großen wirtschaftlichen Schaden abklingen, gehen wir davon aus, dass Commodities wieder interessant für uns werden.

Einige Analysten sehen Anzeichen, die darauf hindeuten, dass ein baldiges Ende des Konjunkturzyklus bevorstehen könnte. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Blokland: Für uns ist die Untergewichtung von Aktien eine effiziente Möglichkeit, um auf ein Ende des Konjunkturzyklus reagieren zu können. Deshalb haben wir Hochzinsanleihen strukturell untergewichtet, weil wir dort die ersten Anzeichen für ein Ende des Zyklus erwarten. Zudem sind wir der Meinung, dass Hochzinsanleihen derzeit ohnehin relativ teuer sind.

Parallel dazu schauen wir uns die Grundlagen für mehr Wirtschaftswachstum an. Hier gilt: Weil die großen Zentralbanken ihre Geldpolitik zunächst unverändert lassen werden, wird sich an der Wachstumsbasis nicht viel ändern. Es könnte also bis 2022 oder 2023 dauern, bevor wir die Spätphase des Zyklus erreichen. Sobald sich der Zeitpunkt abzeichnet, werden wir unsere Aktiengewichtung höchstwahrscheinlich unter den Durchschnitt senken.

Was ist mit dem viel diskutierten Ausstieg aus US-Aktien und der Deglobalisierung?

Blokland: Wenn wir uns die zyklische Bewegung anschauen, besagt unser Basisszenario für dieses Jahr, dass sich die globale Konjunktur leicht verbessern wird. Diese Verbesserung wird zwar marginal ausfallen, aber sie wird messbar sein. Doch erst wenn wir eine deutliche Erholung von zyklischen US-Unternehmen erleben, werden die entsprechenden US-Aktien eine Chance auf Erholung haben. Genau dieses Szenario erwarten wir in den nächsten sechs bis zwölf Monaten.

Womit wir nicht rechnen, ist eine strukturelle Veränderung, etwa dass die großen US-Technologieunternehmen aufgrund regionaler Deglobalisierungstendenzen ihre Ertragskraft verlieren.

Warum sollten sich die Anleger auf aktiv verwaltete Multi-Asset-Produkte konzentrieren?

Blokland: Wenn wir eine strategische Asset-Allokation aufbauen, legen wir dafür zum einen ein langfristiges und flexibles Vorhersagemodell zugrunde, das unser Portfolio robuster macht. Mit diesem aktiven Ansatz können wir sicherstellen, dass wir unter den gegenwärtigen und zukünftigen wirtschaftlichen Gegebenheiten die strategische Gewichtung der Assetklassen in unseren aktiv verwalteten Produkten jederzeit flexibel anpassen können.

Zum anderen nutzen wir die Möglichkeiten der taktischen Vermögensallokation. Dadurch sind wir in der Lage, das Risiko-Rendite-Profil unserer Multi-Asset-Produkte innerhalb eines Zeithorizonts von drei bis zwölf Monaten zu verbessern.

Lassen Sie uns über den Megatrend Automatisierung sprechen. Wie beurteilen Sie hier die Möglichkeit eines Rücksetzers?

Blokland: Bei Verbrauchertrends und Trends in der digitalen Innovation gehen wir davon aus, dass diese mindestens die nächsten fünf bis zehn Jahre andauern werden. Auf der anderen Seite gibt es Trends, die nur von kurzer Dauer sind. Wir müssen also in der Lage sein, in neue Ideen zu investieren, wenn diese langfristiges Potenzial bieten, und gleichzeitig aus Entwicklungen auszusteigen, wenn sich deren Potenzial zu erschöpfen beginnt.

Robeco ist ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Wie stellen Sie sicher, dass ESG-Kriterien von den Unternehmen eingehalten werden, mit denen Sie sprechen?

Blokland: Zwei Kriterien sind hier grundlegend: Erstens müssen wir als Vermögensverwalter in der Lage sein, ESG-Kriterien messen zu können. Zu diesem Zweck hat unsere Tochtergesellschaft RobecoSAM eine eigene umfangreiche ESG-Datenbank aufgesetzt. Damit können wir Bewertungen für eine Reihe von Elementen im ESG-Bereich definieren und für unsere Multi-Asset-Fonds ein entsprechendes ESG-Profil festlegen.

Und das zweite Kriterium?

Blokland: Hierbei handelt es sich um den ökologischen Fußabdruck. Die Tatsache, dass immer mehr Unternehmen den Grad ihrer Nachhaltigkeit selbst darlegen und belegen können, ermöglicht es uns, Dinge wie den Abfall- und Wasserverbrauch eines Unternehmens noch granularer messen zu können. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Unsere ESG-Datenbank ermöglicht es uns zu messen, in welchem Umfang die Unternehmen, mit denen wir sprechen, entlang der ESG-Kriterien wirtschaften. So können wir feststellen, welche Unternehmen ihren Zielen einer nachhaltigen Entwicklung näherkommen. Das ist integraler Bestandteil unserer Multi-Asset-Fonds.