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Jamie Dimon, CEO der Bank JP Morgan Chase & Co: Schwache Gewinnerwartungen für 2020 | © Getty Images

J.P. Morgan AM zur Marktlage Wachstumsstarke und defensive Titel bevorzugt

Insgesamt spricht vieles dafür, in Aktien investiert zu bleiben, veranschaulicht Paul Quinsee, Managing Director und Global Head of Equities bei J.P. Morgan AM.

21.11.2019 - 17:45 Uhr | in Artikel

Die Aktienmärkte werfen seit Jahresbeginn robuste Erträge ab, die aber lediglich die sehr schwache Performance vom Ende des vergangenen Jahres wettmachen. Seit Anfang 2018 tendierten die Aktienkurse in den USA größtenteils seitwärts, in Europa und Asien haben sie nachgegeben. Das Gewinnwachstum hat sich verlangsamt und die Handelskonflikte sind stärker in den Fokus gerückt. Weltweit verzeichnen Aktienfonds durchweg schwache Mittelflüsse. Während Anleger ein beständiges Interesse an wachstumsstarken und defensiven Titeln zeigen, bleiben zyklischere Investments eher unbeliebt.

In diesem Umfeld agieren unsere Portfoliomanager etwas vorsichtiger als sonst. Auf Firmenebene steigen die Unternehmensgewinne, jedoch langsamer als im Vorjahr. Zudem erwarten wir häufigere Abwärtskorrekturen der Gewinnprognosen, vor allem in wirtschaftlich stärker exponierten Sektoren. Das globale Wirtschaftswachstum scheint unter dem Trend zu liegen, das verarbeitende Gewerbe schwächelt und der fortwährende Handelsstreit zwischen den USA und China stellt ein dauerhaftes Risiko für Märkte und Unternehmen dar.

Trotzdem sehen Aktienanleger nicht nur düsteren Zeiten entgegen. Die besten Wachstumsunternehmen schneiden in Bezug auf Rentabilität und Cashflow nach wie vor bemerkenswert gut ab. Zugleich sind die Aussichten für eine Value-orientierte Titelauswahl (gemessen an der Divergenz zwischen preiswerten und teuren Aktien) sehr interessant. Im Gegensatz zu einigen anderen Anlageklassen bewegen sich die meisten Aktienbewertungen deutlich innerhalb der historischen Normen und die Anleger erhalten für Aktienpositionen immer noch eine reale Kompensation. Insgesamt spricht also vieles dafür, in Aktien investiert zu bleiben.

Trends

Den Hintergrund der Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten seit Anfang 2018 bildete eine recht schwache Gewinnentwicklung. Unsere Researchanalysten für die Industrieländer prognostizieren dieses Jahr ein Gewinnwachstum in niedriger einstelliger Höhe, und die Aussichten für 2020 sind nicht viel besser. In zyklischen Sektoren wie Industrie und Technologie lagen die Gewinne zuletzt über dem Trend, wobei wir mit rückläufigen Zahlen rechnen, sobald sich dies normalisiert. Auch in den Schwellenländern wurden die Gewinnerwartungen für 2019 im Laufe des Jahres nach unten korrigiert.

Angeführt wurde dieser Trend vom Halbleitersektor, der das Gewinnwachstum seit einiger Zeit belastet, da die Lagerbestände abgebaut wurden. Zwar erwarten unsere Analysten für die Schwellenländer nächstes Jahr wieder ein höheres Gewinnwachstum; es dürfte jedoch von den günstigen Vergleichszahlen zyklischer Sektoren aus dem Vorjahr profitieren, deren Gewinne dieses Jahr eingebrochen sind. Die Bewertungen erscheinen indes angemessen und preisen einen verhaltenen kurzfristigen Ausblick ein. Für Schwellenländeraktien insgesamt liegt unsere erwartete Fünfjahresrendite (gestützt durch das Gewinnwachstum) mit respektablen 14 Prozent im Mittelfeld. Abgesehen von einigen Tagen im September, als Value-orientierte Aktien weitaus besser abschnitten als wachstumsstarke Titel, blieben Substanzwerte erneut hinter beständigen Wachstumsaktien zurück. Damit verlängert sich die mehr als zehnjährige Underperformance des Value-orientierten Anlagestils.

Wie unser U.S. Value-Team jedoch zu bedenken gibt, sollte man bei der Betrachtung von Wachstums- versus Substanzwerte daran denken, dass der Aktienmarkt letzten Endes eine Ansammlung von Unternehmen, nicht aber von Stilfaktoren ist. Damit Substanzwerte den Markt anführen, bräuchte es ein Umfeld, in dem sich das Wirtschaftswachstum im Aufwärtstrend befindet, die Zinsen steigen und ein moderater Inflationsdruck herrscht. Noch ist es nicht so weit, aber da die Investoren vorsichtiger geworden sind, mehren sich die Chancen.

Chancen

Auch wenn die absoluten Argumente für Aktien als Anlageklasse vielleicht nicht mehr so überzeugend sind wie vor ein paar Jahren, besteht an der relativen Attraktivität von Aktien kein Zweifel. Wie unser International Behavioral Finance-Team aufzeigt, zahlt sich ein Engagement in Aktien für Anleger in realer Hinsicht nach wie vor gut aus. Nach unseren Berechnungen bieten Aktien überregional eine solide effektive Risikoprämie, die von 4 Prozent in den USA bis hin zu 7 Prozent in Europa und Japan reicht, was nach früheren Maßstäben durchaus respektabel ist.

Während festverzinsliche Wertpapiere ungeheuer niedrige Renditen abwerfen und die Geldpolitik zu signifikanten Verzerrungen an den Anlagemärkten im Allgemeinen geführt hat, sind das erfreuliche Nachrichten für Aktieninvestoren. Vor diesem Hintergrund sehen unsere Experten in unterschiedlichen Bereichen des Marktes Ertragspotenziale. China wirkt mittlerweile attraktiver, nachdem der chinesische Onshore-Markt aufgrund rückläufiger Wachstumsraten und zuletzt der Unsicherheit im Welthandel vier Jahre lang auf der Stelle trat.

Unser Greater ChinaTeam verweist auf die erheblichen Bewertungsunterschiede am Markt für chinesische A-Aktien, die, wenn man auf die Vergangenheit schaut, darauf hindeuten, dass chinesischen Aktien eine sehr gute Entwicklung bevorstehen könnte. Europa bleibt derweil aus der Mode, bedingt durch die Ungewissheit auf der politischen (Brexit), wirtschaftlichen (Handel, industrielle Abkühlung) und strukturellen Ebene (Demografie, Regulierung).

Wir sehen aber auch einige Lichtblicke. Das Netto-Aktienangebot ist inzwischen negativ, da Europas Unternehmen endlich ihre Aktienrückkäufe erhöht haben. Dadurch werden die Aktienkurse gestützt, was am US-Markt in den letzten zehn Jahren so bedeutsam war. Zudem können europäische Firmen noch einige Hebel in Bewegung setzen, um die Erträge zu steigern, während sie in Bereichen wie Corporate Governance und Managementvergütung gegenüber ihren US-Pendants aufholen. Zum Beispiel orientiert sich das Gehalt von weniger als 50 Prozent der CEOs europäischer Unternehmen an einer bestimmten Kennzahl zur Aktionärsrendite; in den USA sind es dagegen durchschnittlich 80 Prozent.