Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
In den USA hat Covid-19 die Menschen in Rage gebracht: „Unsere Analyse zeigt, dass langfristig der Preis-, Vermögens- und Währungseffekt durch die geldpolitischen Anreize überwiegend positiv ausfällt, während der Einkommens-, Vertrauens- und Erwartungseffekt überwiegend negativ ausfällt“, so Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. | © imago images / ZUMA Wire

J.P. Morgan Asset Management Nettoeffekt der geldpolitischen Lockerung könnte negativ sein

Die Corona-Krise lässt die Geldpolitik an ihre Grenzen stoßen: Negative Effekte könnten letztlich überwiegen, bringt Tilmann Galler vor, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management.

18.06.2020 - 11:12 Uhr | in News

Während der Corona-Krise setzten die Zentralbanken einmal wieder zahlreiche konventionelle und unkonventionelle monetäre Anreize: Ziel dieser Maßnahmen war und ist, die Stabilisierung der Märkte zu erreichen und die Gesamtnachfrage anzuregen. Und so wichtig diese Unterstützung „im Auge des Sturms“ war, könnte sie nach Ansicht der Experten von J.P. Morgan Asset Management jedoch langfristig einen negativen Nettoeffekt haben.

Im Rahmen des langfristigen Kapitalmarktausblicks (Long-Term Capital Market Assumptions – kurz LTCMA), für den J.P. Morgan Asset Management seit 24 Jahren die Expertise der rund 50 globalen Investment- und Strategieteams bündelt und einen Blick über einen Anlagehorizont von zehn bis 15 Jahren in die Zukunft wirft, untersuchten die Experten unter anderem die Auswirkungen geldpolitischer Anreize. Dafür wurden sechs allgemeine Mechanismen berücksichtigt, mit denen niedrigere Zinsen die Nachfrage innerhalb der Wirtschaft beeinflussen.

„Unsere Analyse zeigt, dass langfristig der Preis-, Vermögens- und Währungseffekt durch die geldpolitischen Anreize überwiegend positiv ausfällt, während der Einkommens-, Vertrauens- und Erwartungseffekt überwiegend negativ ausfällt“, erklärt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Die anhaltende Lockerung der Geldpolitik dürfte laut der Analyse im kommenden Jahrzehnt zu einem langsamen Wachstum und langfristig niedrigen Realzinsen beitragen. Nach Ansicht von Tilmann Galler ist es deshalb nicht unwahrscheinlich, dass die weitreichenden geldpolitischen Lockerungen, die nun die Bilanzen der Zentralbanken weiter aufblähen, die Weltwirtschaft nicht stärken, sondern langfristig noch weiter schwächen werden.

Positive Seiten der Niedrigzinspolitik: Preis-, Vermögens- und Währungseffekte

Bei der Analyse wurden sechs allgemeinen Transmissionsmechanismen untersucht, mit denen niedrigere Zinsen die Nachfrage innerhalb der Wirtschaft beeinflussen. Positiv wirkt beispielsweise der Preiseffekt. Demnach führen niedrigere Zinsen zu günstigeren Krediten. Und dass sich Sparen weniger lohnt, weil Spareinlagen unattraktiver werden, fördert Investitionen. Darüber hinaus gibt es einen Vermögenseffekt, da niedrigere Zinsen die Anlagekurse und damit die Vermögensentwicklung beflügeln, was den Konsum stärkt. Nicht zuletzt kann ein Währungseffekt erfolgen, wenn niedrigere Zinsen zur Abwertung einer Währung führen könnten. Dadurch steigen die Exporte und die Importe werden reduziert.

„Die positive Wirkung dieser Effekte hat aus unserer Sicht zuletzt abgenommen. In den USA zum Beispiel hat das verarbeitende Gewerbe an Bedeutung verloren, da der Beschäftigungsanteil seit den 1950er-Jahren von über 30 Prozent auf weniger als 9 Prozent gesunken ist. Deshalb tragen niedrigere Zinsen heute weniger zur Steigerung der Investitionsausgaben bei als früher“, erklärt Galler.

Bei einem sehr niedrigen Ausgangsniveau der Zinsen würden andere Faktoren wie Abschlagszahlungen und Bonitätsbewertungen zudem an Bedeutung gewinnen, um ein Hypothekendarlehen zu erhalten. Folglich könnten niedrigere Zinsen den Immobiliensektor weniger stimulieren als erhofft. Auch der Vermögenseffekt habe mit der Zeit an Einfluss verloren. Grund sei die zunehmende Vermögenskonzentration in den oberen Einkommensschichten, in denen unverhoffte Aktienmarktgewinne seltener ausgegeben werden. Eine Lockerung der Federal Reserve (Fed) könne weiterhin der Exportwirtschaft zugutekommen, indem der Dollarkurs fällt, was aber nicht funktioniere, wenn andere Zentralbanken die gleiche Strategie anwenden.