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360-Grad-Blick auf die Skyline von New York City: Viele Investoren trauen der Erholung an den Börsen nicht über den Weg – US-Aktien ausgenommen | © imago images / ZUMA Wire

J.P. Morgan Asset Management Per Income-Strategie jetzt für den weltweiten Neustart positionieren

Die ausgeprägten Kursverluste für viele Anlageklassen im März bieten für die Zukunft viel Potenzial, so Eric Bernbaum, Co-Portfoliomanager der Income-Strategien bei J.P. Morgan Asset Management.

20.05.2020 - 15:16 Uhr | in Märkte

Da es an den Aktienmärkten derzeit fast zu schnell wieder aufwärts geht, werden einige Anleger unruhig, wenn sich etwa Mischfonds nicht in der gleichen Geschwindigkeit erholen. Sie sollten bedenken, dass eine Erholung üblicherweise mehr Zeit in Anspruch nehme, erklärt Bernbaum.

Während der Finanzkrise haben beispielsweise US-Aktien gemessen am S&P 500 mit 51 Prozent mehr als die Hälfte ihres Werts verloren. Es dauerte gut drei Jahre, genau gesagt 37 Monate, bis sie ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht hatten. Bei US-Hochzinsanleihen ging es dagegen deutlich schneller: Die Anleihen verloren in der Krise 33 Prozent und brauchten nur neun Monate, um wieder auf den alten Höchststand zu kommen. Was uns dieser Blick in die Vergangenheit lehrt: Anlageklassen verhalten sich also auch in Erholungsphasen unterschiedlich, so Bernbaum.

Eine vergleichbare Analyse für den von ihm gemeinsam mit Michael Schoenhaut gemanagten JPMorgan Investment Funds – Global Income Fund zeigt: Seit Auflegung des Fonds im Dezember 2008 gab es bis zur Coronakrise acht Verlustphasen von mehr als fünf Prozent. In all diesen Phasen konnte sich der Global Income Fund nach den Verlusten deutlich erholen. Die Wertentwicklung erreichte 24 Monate nach dem Tiefpunkt in fast allen Fällen sogar einen zweistellig positiven Bereich und konnte damit die Verlustphase ausgleichen. Auch wenn die Märkte noch weiter volatil bleiben werden, kann die aktuelle Phase für mittel- bis langfristig orientierte Anleger eine gute Einstiegsmöglichkeit sein, betont Eric Bernbaum und beantwortet weitere aktuelle Anlegerfragen:

Herr Bernbaum, ist es weiterhin sinnvoll, in eine Multi-Asset-Income-Strategie zu investieren?

Eric Bernbaum: Attraktive Erträge sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld schwieriger zu finden als je zuvor. Die weltweit eingeführten aggressiven geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen haben die Zinsen der traditionellen Renditequellen stark nach unten gedrückt. Multi-Asset-Strategien ermöglichen den Zugang zu diversifizierten Ertragsquellen und damit die Chance auf überlegene risikobereinigte Renditen. Das ist trotz Phasen, in denen die Diversifikation nicht wie gewohnt funktionierte, weiterhin wichtig.

Der Global Income Fund wurde im Dezember 2009, mitten in der der globalen Finanzkrise, aufgelegt und konnte sich in diesem besonderen Umfeld gleich bewähren. Wir waren in der Lage, Preisverwerfungen in verschiedenen Anlageklassen für Investments zu nutzen, darunter Hochzinsanleihen durch Wohnhypotheken gesicherte Wertpapiere (RMBS), Wandelanleihen und andere Bereiche. Die gebündelte Flexibilität über Länder, Anlageklassen und Kapitalstrukturen hinweg hatte sich damals zu unseren Gunsten ausgewirkt, und wir sind überzeugt, dass diese Strategie auch nach dieser Krise erfolgreich sein wird. Denn heute ist unsere Diversifikation über 15 Anlageklassen hinweg umso größer – damals waren es gerade einmal sechs.

Wie ist die Income-Strategie heute positioniert?

Bernbaum: Wir sind bereits mit einer konservativeren Positionierung des Portfolios in das Jahr 2020 gestartet, indem wir beispielsweise die Aktienallokation reduziert hatten und im ersten Quartal weiter reduziert haben auf aktuell 29 Prozent. Diese defensivere Positionierung werden wir beibehalten, bis mehr Klarheit über Ausmaß und Dauer von COVID-19 besteht.

Wir haben die Widerstandsfähigkeit des Portfolios darüber hinaus gestärkt, indem wir die Duration, also die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer erhöhten, um die Abwärtsrisiken durch die Stressbelastungen bei anderen Anleihen- und Risikoaktiva einzudämmen. Die aktuelle Duration beträgt rund fünfeinhalb Jahre. Wir haben darüber hinaus die Qualität im Segment der Hochzinsanleihen erhöht und zudem eine Allokation in Anleihen mit Investment Grade Rating aufgebaut. Im März haben wir nicht zuletzt die Cash-Quote auf fast 10 Prozent erhöht, um dem Portfolio eine gewisse Flexibilität zu verleihen und Mittel für die sich nun bietenden Anlagechancen zur Verfügung zu haben. Einen wesentlichen Teil davon haben wir dann im April in Anleihen mit Investment Grade Rating investiert, wo wir nicht zuletzt aufgrund der Notenbankkäufe gute Chancen sehen.

Einige Unternehmen haben Dividendenkürzungen angekündigt. Wie wirkt sich das auf die Income-Strategie aus?

Bernbaum: Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Punkt. Ziel der Income-Strategie ist es, Ausschüttungen aus der Bruttorendite und nicht aus der Substanz heraus vorzunehmen. Daran wird sich auch weiterhin nichts ändern. Sicherlich werden wir in verschiedenen Regionen und Sektoren Dividendenkürzungen und -aussetzungen sehen. Am stärksten ist diese Entwicklung in Europa zu beobachten, aber zu einem gewissen Grad auch in den Schwellenländern. Deshalb bevorzugen wir weiterhin defensive US-Aktien, bei denen weniger Dividendenkürzungen zu erwarten sind.

Es ist aber auch wichtig, die Gründe für diese Dividendenkürzungen auseinanderzuhalten: Manche Unternehmen werden beispielsweise von Aufsichtsbehörden oder Regierungen wie durch die Leitlinien der Europäischen Zentralbank (EZB) für europäische Banken zur Kürzung ihrer Dividenden angehalten. Andere Unternehmen haben dies eher proaktiv zur Stützung der kurzfristigen Liquidität angedacht.

Unser strategischer Fokus liegt auf hochwertigen Unternehmen mit attraktiven, nachhaltigen Dividendenrenditen, und das Potenzial zu haben, im Laufe der Zeit zu steigen. Es gilt heute umso mehr, selektiv vorzugehen und so haben wir auf Einzeltitelebene analysiert, welche Unternehmen auch in einem Umfeld von Dividendenkürzungen und -streichungen noch attraktiv sind und entsprechend in solche Titel investiert, die auch in diesem Umfeld nachhaltige Ausschüttungen ermöglichen.

Hatte die Coronakrise bereits Auswirkungen auf die aktuelle Ausschüttung?

Bernbaum: Die aktuelle Ausschüttung im Mai konnte trotz volatilem Umfeld auf verlässlichem Niveau bleiben. Das Ziel unserer Income-Strategie ist es ja, mit einem äußerst breit gestreuten Multi-Asset-Portfolio regelmäßige Erträge zu erzielen. Und so lag die aktuelle Ausschüttung annualisiert bei 4,1 Prozent in der Anteilklasse A (div) – EUR. (Die Ausschüttungen sind nicht garantiert).