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Nicholas Gartside, International Chief Investment Officer für Anleihen bei J.P.Morgan AM: „Europa ist ein Kontinent der unterschiedlichen Geschwindigkeiten.“ | © J.P.Morgan Asset Management

J.P.Morgan AM – International Chief Investment Officer für Anleihen Nicholas Gartside „Das Risiko von Aktien ist nicht zu vernachlässigen“

Wer mit Anleihen auskömmliche Renditen erzielen will, muss aktuell hohe Risiken eingehen, so die weitverbreitete Meinung von Investoren. Doch gibt es möglicherweise Alternativen? Und wo lohnen sich Bond-Käufe im Moment am meisten? Nicholas Gartside von J.P.Morgan Asset Management beantwortet die Fragen im Interview.

25.10.2017 - 08:50 Uhr | Von:  in Anleihen

multiasset.com: Herr Gartside, was halten Sie von der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank?

Nicholas Gartside: Mit dem Anleihekaufprogramm und den Niedrigzinsen musste die EZB vor einem Jahr noch die Deflation in der Eurozone bekämpfen. Aktuell stellt sich jedoch die Frage, ob das noch nötig ist. Die Geldpolitik ist angesichts der guten Wirtschaftsdaten etwas zu locker.

In der Eurozone gibt es aber auch Krisenherde, denen die Niedrigzinspolitik entgegen kommt. Griechenland kämpft immer noch mit Schuldenbergen.

Gartside: Es ist nicht die Aufgabe von Zentralbankern, Griechenland aus der Schuldenfalle zu befreien. Dafür ist die Politik zuständig.

Aber die griechischen Regierungen bekommen die Schuldenkrise seit dem Jahr 2009 nicht in den Griff. Müssen die Zentralbanken nicht einspringen?

Gartside: Europa ist ein Kontinent der unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die Reformierung von Staat und Wirtschaft dauert in Griechenland ein bisschen länger als sie in Deutschland oder Großbritannien dauern würde. Außerdem gibt es auch Erfolgsgeschichten zu vermelden. Spanien hat einen Weg aus der Krise gefunden. Die Einkaufsmanagerindizes sind dort zuletzt massiv gestiegen.

Die Schuldenstaaten sind also kein Problem für Europa?

Gartside: Naja, so würde ich es nicht ausdrücken. Es gibt in Europa sehr wohl Problemstaaten, der Kontinent als Ganzes befindet sich jedoch im Wachstumsmodus.

Es ist heutzutage schwer, mit Anleihen gute Renditen bei überschaubaren Risiken zu erzielen. Warum sollten Anleger überhaupt noch in die Anlageklasse investieren?

Gartside: Sie haben Recht, ein großer Teil der Anleihemärkte bietet Anlegern keine auskömmlichen Renditen. Deutsche Staatsanleihen gehören zum Beispiel dazu. Anleger erhalten zwar den Nominalwert zurück, die Renditen liegen jedoch weit unter der Inflationsrate. Alles in allem sind Bundesanleihen ein Verlustgeschäft.

Es gibt jedoch auch Sektoren an den Anleihemärkten, die hohe Erträge versprechen. Das ist in Regionen mit guten Wachstumsaussichten der Fall. Bei J.P. Morgan Asset Management setzen wir vor allem auf Hochzins- und Schwellenländeranleihen.