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Talib Sheikh, Head of Strategy, Multi Asset bei Jupiter AM | © Jupiter AM

Jupiter AM Ausblick 2020 Wie man im spätzyklischen Umfeld investiert und die Nerven behält

Talib Sheikh, leitender Kapitalmarktstratege Multi Asset bei Jupiter Asset Management, zieht ein Resümee aus den vergangenen zwölf Monaten und wagt einen Ausblick auf das Investmentjahr 2020.

26.11.2019 - 11:02 Uhr | in Märkte

Der aktuelle Aufschwung ist der längste der Nachkriegsgeschichte und die Bewertungen am US-Aktienmarkt bewegen sich auf historischen Höchstständen. Das macht Investoren nervös und lässt sie nach Rezessionsanzeichen Ausschau halten. Aber, wie es so schön heißt, Aufschwünge sterben nicht an Altersschwäche, und Anleger haben in Spätphasen von Konjunkturzyklen häufig gute Gewinne einfahren können.

Wir blicken vorsichtig optimistisch ins Jahr 2020: Die Rezessionsängste haben nachgelassen und es spricht einiges dafür, dass die aktuelle Expansionsphase noch eine ganze Weile andauern kann. Es gibt aber Faktoren, die ein solches Szenario verhindern könnten. Insbesondere die relativ hohen Bewertungen lassen erwarten, dass die Renditen künftig niedriger ausfallen werden. Das erfordert neue Investmentansätze.

2019 war ein sehr gutes Jahr für Risikoanlagen, auch wenn es sich nicht so angefühlt hat. Negativschlagzeilen zu Handelskrieg, Brexit oder dem Abschwung im verarbeitenden Gewerbe haben auf die Stimmung gedrückt. Positionierungsdaten signalisieren, dass viele Investoren die Marktrallye dadurch komplett oder teilweise verpasst haben.

Die seit etwa 18 Monaten beobachteten starken Stimmungsschwankungen an den Märkten sind Ausdruck des aktuellen, spätzyklischen Umfelds und dürften sich bis ins nächste Jahr hinein fortsetzen. Nach zehn Jahren eines gemächlichen Wirtschaftswachstums, in denen an den Finanzmärkten solide Gewinne eingestrichen werden konnten, sehen die Investoren jetzt überall Hinweise auf eine bevorstehende Rezession. Unserer Ansicht nach erklärt das auch, warum viele Anleger die Rallye verpasst haben und warum viele immer noch von der Seitenlinie aus zuschauen.

Kein Grund zur Euphorie

Unsere makroökonomische Einschätzung hat sich in den vergangenen 18 Monaten nicht verändert: Wir bewegen uns in einem wachstumsschwachen Umfeld, in dem ein starker Konsum und eine expansive Geldpolitik den Aufschwung weiter tragen können. Euphorisch sind wir deshalb nicht. Das Trendwachstum ist schwach, die Inflation gering, die demografische Entwicklung in fast allen größeren Volkswirtschaften problematisch und die in der letzten Krise angehäuften Schuldenberge noch nicht annähernd abgetragen.

Mit Blick auf das Jahr 2020 glauben wir, dass sich die zyklischen Risiken erhöht haben. Ein US-chinesisches Teilabkommen oder ein kurzfristiger Waffenstillstand im Handelskrieg werden diesen Konflikt oder den langfristigen Kampf um die globale Vormachtstellung nicht beenden. Deshalb dürften die Märkte weiter durch eine politische Risikoprämie belastet bleiben. Die Lage im verarbeitenden Gewerbe ist fragil und die Geldpolitik kann den Wachstumsmotor nicht alleine am Laufen halten. Fiskalpolitische Impulse werden ebenfalls gebraucht, vor allem in Europa. Dem stehen aber erhebliche politische Hürden im Weg. Wir sehen allerdings auch keine Hinweise auf typische Vorboten einer Rezession wie schwerwiegende Ungleichgewichte oder Inflationsdruck. Neben dem soliden Konsum sind zudem auch die Daten vom Arbeits- und Immobilienmarkt positiv und das Kreditwachstum in der Eurozone ist robust.

Vorsichtig optimistisch für Risikoanlagen

Zusammenfassend gehen wir davon aus, dass die aktuelle Expansionsphase noch weiter andauern wird, und sind bis ins Jahr 2020 hinein vorsichtig optimistisch für Risikoanlagen. Aus Anlegersicht besteht die Herausforderung darin, dass es in diesem nervösen spätzyklischen Umfeld zu stimmungsgetriebenen Volatilitätsschüben kommen kann und die Bewertungen insgesamt und vor allem an den Anleihemärkten inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht haben. Deshalb dürften die einfachen, passiven Anlageansätze, die in den vergangenen zehn Jahren gut funktioniert haben, künftig enttäuschen. Diese Herausforderungen erfordern einen flexiblen und aktiven Ansatz auf der Grundlage eines disziplinierten Risikomanagements, mit dem Investoren erfolgreich durch ein spätzyklisches Umfeld navigieren können.