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Jacob Vijverberg, Fondsmanager

Kames Capital „Alternative Anlagen sind ein Muss“

Multi-Asset-Fonds konnten 2019 ansprechende Renditen erzielen. Wird sich diese Entwicklung 2020 fortsetzen? Jacob Vijverberg, Manager des Kames Global Diversified Income Fund, über Renditebringer und kleinere Risiken im neuen Jahr.

11.02.2020 - 16:13 Uhr | in Artikel

multiasset.com: Herr Vijverberg, warum sollten Anleger in einen Multi-Asset-Fonds investieren?

Jacob Vijverberg: Ein Multi-Asset-Fonds löst im Grunde genommen eines der großen Rätsel bei der Vermögensallokation: Er nimmt den Anlegern die Investitionsentscheidungen ab. Unter dem Strich ist ein Multi-Asset-Fonds eine ideale Investmentlösung für Anleger – die jeweilige Performance hängt jedoch stark vom Fondsmanagement ab.

Gemeinsam mit Vincent McEntegart managen Sie den Kames Global Diversified Income Fund. Auf welche Aktien setzen Sie derzeit?

Vijverberg: Derzeit stehen wir einigen Akteuren im Halbleitersektor äußerst positiv gegenüber. Hierzu zählt beispielsweise TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company), eine unserer Top-Positionen im Fonds. Ein Grund dafür ist, dass sich der Halbleiter-Sektor in den vergangenen Jahren spürbar professionalisiert und spezialisiert hat.

Dennoch hatten Chiphersteller im vergangenen Jahr Probleme, die gestiegene Nachfrage am Markt zu bedienen.

Vijverberg: Das ist richtig. Allerding betrafen die Lieferschwierigkeiten nur bestimmte Teile des Marktes, und zwar hauptsächlich den für Speicherchips. Dieses Segment neigt dazu, äußerst zyklisch zu sein. Zudem ist das Geschäft mit Speicherchips ein sehr kommerzielles, was bedeutet: Den Verbrauchern ist es letztlich relativ egal, ob der Speicherchip in ihrem iPhone von Samsung oder einem anderen Hersteller stammt.

Von solchen Marktschwankungen wollen wir uns unabhängiger machen. Deshalb investieren wir in Unternehmen, die sich auf die Herstellung jüngster High-End Logik-Chips konzentrieren – und diese Chips auch für den Massenmarkt produzieren können, wie eben TSMC. Somit sind die Taiwanesen in der Lage, ihre Umsätze und Gewinne ständig zu steigern.

Der Halbleiter-Sektor hat im vergangenen Jahr die größten Ertragszuwächse in Ihrem Fonds verzeichnet. Warum dürfte der Sektor auch künftig über Potenzial verfügen?

Vijverberg: Zunächst einmal profitiert der Sektor von der anhaltend hohen Nachfrage nach Chips in Mobiltelefonen. Zudem beobachten wir eine weltweite Zunahme von Rechenzentren, die ebenfalls auf Chips angewiesen sind. Außerdem wird das Auto immer mehr zum Tummelplatz für Chips, ebenso die steigende Zahl der über das Internet of Things vernetzten Endgeräte. Auch die Umsetzung der 5G-Strategie in Europa trägt ihren Teil dazu bei.

Was die genannten Faktoren eint, ist, dass Chips immer spezialisierter werden. Ein Unternehmen, das diesen Bedarf erkannt hat und schon jetzt bedient, ist das US-amerikanische Halbleiterunternehmen Broadcom, in das wir ebenfalls investiert sind.

Was gibt es Neues auf der Anleihenseite?

Vijverberg: Die Risikoprämien in den USA und Europa sind 2019 erwartungsgemäß zurückgegangen, die Anleihemärkte haben sich uneinheitlich entwickelt. Deshalb haben wir uns auf der Anleihenseite defensiver positioniert und strategische Umstrukturierungen vorgenommen. Wir bevorzugen derzeit hochverzinsliche Unternehmensanleihen mit einem „BB“-Rating, da diese das beste Risikoprofil aufweisen. Bei den meisten unserer Anlagen konzentrieren wir uns auf diesen Teil des Marktes – also nicht zu riskant, aber dennoch mit angemessenen Renditen.