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Mann vor Kurstafel

Digitale Geldanlage Kinderleicht vollautomatisch investieren

Robo-Advisor versprechen ihren Kunden mit geringen Anlagebeträgen und niedrigen Kosten Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung. Wie funktionieren die Robos, wie unterscheiden sich die Angebote und wie haben sie sich in der Corona-Krise geschlagen?

02.11.2020 - 13:27 Uhr | in News

Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren zunehmend auch die Anlageberatung erfasst: Der Markt für digitale Vermögensverwaltungen, sogenannte Robo-Advisor, ist deutlich gewachsen: Während weltweit 2017 noch rund 263 Milliarden Euro auf diese Weise investiert waren, stieg die Summe bis September 2020 auf 874 Milliarden – Prognosen zufolge weiter steigend. Hinter diesen Systemen verbirgt sich in der Regel ein Algorithmus, der Empfehlungen zur Vermögensverteilung erarbeitet und sie – je nach Anbieter – direkt umsetzt.

Der Corona-Krise konnten sich auch Robo-Advisor nicht entziehen und mussten wie die meisten Anleger Verluste verbuchen – einige mehr, andere weniger. Sie konnten aber auch von der folgenden rasanten Markterholung profitieren.

So funktionieren Robo-Advisor

Die Anbieter digitaler Vermögensverwaltung setzen auf automatisierte Prozesse. Das gilt bei der Kundenansprache, zum Teil aber auch bei der Depotsteuerung. Da die Robos häufig auf preiswerte ETFs setzen, sind ihre Gebühren relativ gering. Es gilt jedoch zu beachten: Die Branche ist noch sehr jung und die Anbieter müssen erst beweisen, dass sie langfristig gute Anlageergebnisse erzielen können.

Bevor es mit dem digitalen Investieren losgeht, wird zunächst ein Anlegerprofil erstellt. Dafür müssen Neukunden Fragen unter anderem zu Risikoneigung, Anlagezielen und Anlagehorizont beantworten. Mit Hilfe komplexer Algorithmen wird anschließend das Risikoprofil errechnet. Für jedes gibt es eine passende Strategie, die eine strategische Asset-Allokation sowie die entsprechenden Anlageprodukte umfasst. Die konkreten Ansätze unterscheiden sich je nach Anbieter.

Auf die Details kommt es an

Die meisten der digitalen Vermögensverwalter steuern das Risiko über dynamische Modelle auf Grundlage von Volatilitätskennzahlen, also Daten zur Schwankungsbreite. Im Detail gibt es jedoch Unterschiede.

Der Anbieter Scalable Capital beispielsweise bietet „insgesamt 23 Risikokategorien im Value-at-Risk-Modell (VaR) und 21 Risikokategorien in den ESG-Strategien“ an, erklärt Jacob Hetzel, Head of Corporate Communications & Distribution. Beim VaR handelt es sich um eine Risikokennzahl. Das Risikoprofil wird anhand des Anlageziels, der finanziellen Situation sowie der individuellen Risikotoleranz ermittelt. „Auf diese Weise erstellen wir für jeden Kunden ein individuell angepasstes und global diversifiziertes ETF-Portfolio“, erläutert Hetzel.

Der Anbieter Quirion hingegen verfolgt einen „passiven, prognosefreien Ansatz“, wie es CEO Martin Daut formuliert. Was können sich Anleger darunter vorstellen? Es gibt zehn verschiedene Risikoabstufungen, wobei sich die Gewichtung der Aktienanteile je nach Risikoprofil unterscheidet: „Von 10 Prozent Aktienanteil bis 100 Prozent“, erläutert Daut. Der Großteil der Kunden wähle dabei einen Anteil von 60 Prozent Aktien-ETFs und 40 Prozent Anleihe-ETFs. Die meisten sind also ausgewogen bis chancenorientiert investiert. Besonders interessant bei diesem Ansatz: „Es gibt bei uns keinen Algorithmus und keine Risikomanagementmodelle, die aktiv in die Portfolios eingreifen“, sagt Martin Daut. Denn das führe oft dazu, dass Aktienquoten nach Kursrückgängen reduziert und nicht rechtzeitig wieder erhöht werden – und der Kunde so in geringerem Ausmaß vom anschließenden Aufschwung profitiert.

Solidvest von DJE setzt im Gegensatz zu den meisten Anbietern nicht auf ETFs. „Unsere Anlagestrategie orientiert sich an der klassischen Vermögensverwaltung und investiert nicht in Fonds und Indexprodukte, sondern direkt in Aktien und Anleihen“, erläutert Solidvest. „Neben der allgemeinen Bewertung und Marktpositionierung des Unternehmens sind auch die Qualität des Managements, die Abläufe sowie die Prozesse für uns entscheidend.“

Wie kamen die Robos durch die Corona-Krise?

Es gibt also Unterschiede unter den Robo-Anbietern im Produktangebot, der Portfoliokonstruktion, im Risikomanagement und im Risikoprofil. Doch wie haben sich die Robos während der Corona-Krise geschlagen?

Solidvest ist mit der Performance seiner digitalen Vermögensverwaltung in der Hochphase der Corona-Pandemie zufrieden. „Sie kann zeitnah auf sich abzeichnende Marktdynamiken reagieren“, teilt das Unternehmen mit. Daher konnten „unsere Frühwarnsysteme ihren Zweck mustergültig erfüllen – so waren wir bereits zu Beginn der Krise eher defensiv aufgestellt.“ Der Robo von Scalable Capital konnte ebenfalls dank seiner „Risikomanagement-Technologie systematisch und signifikant Risikopositionen abbauen“, wie Unternehmenssprecher Hetzel erklärt. Anbieter Quirion berichtet von antizyklischem Vorgehen: „Wir haben Aktien-ETFs gekauft, so dass die Allokation wieder optimal zum Anleger passte.“ Von Kapitalabflüssen kann er nicht berichten – die niedrigen Kurse seien eher zum Einstieg genutzt worden.

Nach dem Höhepunkt der Corona-Krise wurden die Aktienquoten bei Scalable Capital schrittweise weiter erhöht: „So haben wir an der Markterholung partizipiert – wenn auch nicht in gleichem Maße wie ein reines Aktienportfolio“, erklärt Scalable Capital-Sprecher Hetzel. Er ergänzt: „Grundsätzlich kann man den Erfolg einer Anlagestrategie nicht in Wochen oder Monaten messen. Das gilt natürlich für unsere Vermögensverwaltung ebenso.“

Solidvest teilt ebenfalls mit, die Aktienquote wieder deutlich erhöht und insbesondere Technologie und Pharmatitel sowie Konsumwerte ins Portfolio geholt zu haben. Auch bei Quirion konnten die Kunden nach Angaben von Martin Daut von der Markterholung profitieren.

Grundsätzlich gilt daher bei der digitalen Vermögensverwaltung, was bei Investments immer gilt: „Kurzfristige Ausschläge nach oben oder unten wird es immer geben. Es lohnt sich in solchen Situationen, einen kühlen Kopf zu bewahren und seiner Anlagestrategie treu zu bleiben“, wie Hetzel sagt.

Apropos kühler Kopf: Die digitalen Vermögensverwalter arbeiten mit Partnerbanken zusammen, bei denen sämtliche Einlagen direkt auf den Namen des Kunden hinterlegt werden. Im Falle einer Insolvenz des Vermögensverwalters oder der verwaltenden Bank ist das angelegte Vermögen daher gesetzlich geschützt.