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Times Square in New York: In den USA ging die Anzahl der Arbeitsplätze mit einem Stundenlohn von weniger als 14 US-Dollar um 20 Prozent zurück | © imago images / TheNews2

Konjunktur-Alphabet V, U, L oder W – in welcher Form kommt der Aufschwung?

Nach dem Corona-Crash an der Börse gibt es noch immer eine Debatte darüber, welche Art der Erholung wir erwarten können – V, U, L, W oder Swoosh? Keines dieser Szenarien trifft zu, meint Oliver de Berranger, CIO bei LFDE.

09.09.2020 - 11:20 Uhr | in News

Seit dem Ausbruch des Corona-Virus im ersten Quartal 2020 und dem darauffolgenden Konjunktureinbruch fragen sich Ökonomen und Marktbeobachter, welche Form der Aufschwung annehmen wird. Für die Beschreibung des Verlaufs dieser potenziellen Erholung greifen Ökonomen auf das Alphabet zurück.

Auch wenn zweifelsfrei feststeht, dass der erste Teil des Buchstabens wie ein senkrechter oder schräger Strich aussieht, der den beispiellosen Absturz der Wirtschaft darstellt, wird die Form des zweiten Teils derzeit noch immer diskutiert:

  • Wird es eine V-förmige Erholung geben, bei der das Ausgangsniveau aufgrund der beispiellosen geldpolitischen und fiskalischen Hilfsmaßnahmen rasch wieder erreicht wird?
  • Oder eine L-förmige Erholung, die von einer sehr langen Flaute gekennzeichnet ist, und bei der Abbau von Arbeitsplätzen sowie der Stillstand zahlreicher Branchen das Wachstumspotenzial nachhaltig einschränken dürfte?
  • Erwartet uns doch eine U-förmige Erholung als Kombination der beiden zuvor genannten, bei der die Aktivität zwar wieder anzieht, jedoch nur langsam?

K-Szenario verdeutlicht Kluft zwischen Krisengewinnern und -verlierern

Mittlerweile gehen viele Experten von einer K-förmigen Erholung an der Börse aus. Dies ist eine Erholung, bei der sich zwischen den Gewinnern und den Verlierern der Krise unweigerlich eine Kluft auftut.

Zur ersten Gruppe gehören Konzerne, die während und nach dem Lockdown von der digitalen Beschleunigung profitiert haben. Unternehmen im Bereich E-Commerce (Amazon +19 Prozent, Zalando +127 Prozent seit Jahresbeginn), Ausrüster (ASML +82 Prozent, Nvidia +60 Prozent), Zahlungsabwickler (PayPal +84 Prozent, Adyen +90 Prozent) sowie Software und Cloud Computing (Microsoft +40 Prozent, Salesforce +63 Prozent). Die an der US-Börse erreichten Rekordhochs, wie an der Technologiebörse Nasdaq 100 mit einem Gewinn von 37 Prozent, lassen sich unter anderem durch diese Akteure erklären.

Im Gegenzug gibt es ganze Wirtschaftszweige, die dauerhaft, wenn nicht sogar irreparabel, betroffen sind: Dazu gehören die Bereiche Luftfahrt (Air France -63 Prozent, Airbus -48 Prozent), Tourismus (TUI -68 Prozent, Europcar -71 Prozent), Einzelhandel (SMCP -60 Prozent, Macy’s -58 Prozent) und ebenso Erdöl (Royal Dutch -51 Prozent, Technip FMC -63 Prozent).

Spaltung der Börse als Spiegelbild der Realwirtschaft

Die Wertentwicklung der weltweiten Börsenindizes lässt sich zu einem großen Teil durch die Zugehörigkeit zur ersten oder zur zweiten Gruppe erklären. Diese Spaltung der Börse ist auch ein Spiegelbild der realen Wirtschaft. Die jüngste Studie des Internationale Währungsfonds (IWF) belegt, dass sich die Ungleichheiten mit jeder Pandemie vergrößern – ob SARS, Ebola, H1N1 oder Zika.

Zum Stillstand kamen vor allem Branchen, die einen hohen Bedarf an gering qualifizierten Arbeitskräften haben. Diese wachsende Kluft lässt sich häufig durch die Möglichkeit zur Telearbeit und dem Bildungsniveau erklären – was sich je nach Branche in sehr unterschiedlichen Arbeitslosenquoten widerspiegelt. Ein Beispiel: In den USA stieg die Anzahl der Arbeitsplätze mit einem Stundenlohn von mehr als 32 US-Dollar zwischen Jahresbeginn und Ende Juni um 2 Prozent, während die Anzahl der Arbeitsplätze mit einem Stundenlohn von weniger als 14 US-Dollar um 20 Prozent zurückging.

Die hohen Sparquoten in den Industrieländern sollten es ermöglichen, sich teilweise von kurzfristigen Produkten ohne Rendite abzuwenden, und dazu dienen, Investitionen insbesondere durch Privatunternehmen wieder anzukurbeln.

In den Fabeln des französischen Schriftstellers Jean de la Fontaine erliegen nicht alle erkrankten Tiere der Pest – dennoch sind alle davon betroffen. So sind auch wir von der Corona-Pandemie betroffen, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise.