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Goldwäscher in einem Fluss in Jamestown, Kalifornien/USA

LBBW-Rohstoffexperte Wolfgang Schrage „Gold wird nicht knapp“

Industriemetalle, Gold, Öl: Der Rohstoffmarkt ist vielfältig, die Auswahl für das Portfolio kompliziert. LBBW-Investmentspezialist Wolfgang Schrage verrät im Interview, welche Commodities vom Elektromobilitäts-Trend profitieren und wie es um das Goldangebot steht.

13.10.2017 - 10:15 Uhr | Von:  in Märkte

Herr Schrage, welchen Zweck erfüllen Rohstoffe in Finanzportfolios im Allgemeinen?

Wolfgang Schrage: Rohstoffe bescheren Investoren im Idealfall unabhängig von den Aktien- und Anleihemärkten Renditen. Auf jeden Fall haben Industrie- und Edelmetalle eine stabilisierende Wirkung. Ein Rohstoff allein kann diesen Balanceakt jedoch nicht erfüllen. Wie bei allen Investitionen gilt: Diversifikation ist der Schlüssel zum Erfolg. In den Rohstofffonds der LBBW Asset Management sind in der Regel zehn Rohstoffe enthalten. Zudem bieten wir Strategien mit innovativem Risikoverständnis an, die flexibel auf die wechselnden Preistrends am Rohstoffmarkt reagieren.

An den Rohstoffmärkten geht es im Vergleich zu anderen Anlageklassen preislich besonders deutlich auf und ab. Was sind die Gründe?

Schrage: Wenn sich Rohstoffpreise auf hohem Niveau bewegen, ist der Anreiz für Produzenten hoch, ihre Lager zu füllen. Die Kosten für die Mehrarbeit von Angestellten und Maschinen werden auf jeden Fall gedeckt. Das Geschäft rechnet sich. In diesem Zyklus kommt es jedoch irgendwann automatisch zu einem Überangebot, das die Preise drückt. Unterschreiten die Preise die Rentabilitätsgrenze der Produzenten, sinken die Investitionen. Das Überangebot schmilzt langsam und die Preise stabilisieren sich automatisch. 

Das ist bei Aktien nicht der Fall.

Schrage: Genau, der Stabilisierungsmechanismus ist ein typisches Merkmal der Rohstoffmärkte. Wenn die Preise sinken, schwillt auch das Angebot ab. Bei Aktien ist das nicht der Fall. Sinken hier die Kurse, nimmt nicht automatisch die Zahl der sich im Umlauf befindlichen Aktien ab.

Die Weltkonjunktur brummt. Steigt dadurch automatisch die Nachfrage nach Rohstoffen?

Schrage: Nein, so einfach ist es nicht. Die prosperierende Weltwirtschaft führt nicht immer zu steigenden Rohstoffpreisen. Es kommt darauf an, in welchen Regionen der Welt und in welchen Wirtschaftszweigen der Motor brummt. Die Konjunkturdaten von gut entwickelten Ländern wie Deutschland oder Frankreich werden auch stark vom Dienstleistungssektor getrieben. Hier werden aber wenig bis gar keine Rohstoffe benötigt. Die Rohstoffnachfrage steigt in der Regel, wenn große Infrastrukturprojekte in Planung sind.

Rohstoffexperten behaupten immer wieder, die Goldressourcen würden knapp. Stimmt das?

Schrage: Nein, das ist Unsinn. Denken Sie nur an die Behauptung von vor zehn Jahren, die Ölressourcen würden knapp. Nach heutigem Wissensstand reicht Öl noch sehr lange und kann mit der neuen Fracking-Technologie günstig gefördert werden. Der Fortschritt der Technik erschließt der Ölindustrie ganz neue Quellen. Wahrscheinlich werden sich auch die Goldfördertechniken weiter entwickeln. Dass neue Goldvorkommen entdeckt werden, ist auch nicht ausgeschlossen.