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Blick in die Vergangenheit: In Europa wird die Aufhebung der Reisebeschränkungen am 15. Juni von besonderer Bedeutung sein | © imago images / Eibner Europa

Marktkommentar BlueBay „Investment-Grade-Anleihen haben noch Spielraum für eine Erholung“

Aus der Geldpolitik kommen vorerst keine neuen Impulse, deshalb steht jetzt der weitere Verlauf der Covid-19-Pandemie im Mittelpunkt der Anleger, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

12.06.2020 - 11:20 Uhr | in Märkte

Die von der Liquidität angeheizte Rally der Risikoanlagen hat zuletzt an Schwung verloren. Die Märkte fielen von ihren Höchstständen zurück – unmittelbar, nachdem der S&P 500 seine Verluste vom Jahresbeginn innerhalb von rekordverdächtigen 50 Tagen vollständig wettgemacht hatte.

Die Zinssitzung der Federal Reserve hat kaum Neues gebracht. Auffällig ist, dass die Entscheidungsträger in der Geldpolitik im Hinblick auf die Covid-19-Pandemie viel vorsichtiger agieren als viele Marktteilnehmer. Zu erwarten ist, dass die Fed und andere Zentralbanken die Zinsen sehr lange auf dem aktuellen Niveau halten werden, solange sich keine Inflation einstellt. Sie werden alles daransetzen, Aktienrenditen und Anleihen-Spreads durch den Kauf von Vermögenswerten zu verfestigen. Sollte die konjunkturelle Entwicklung keine neuen Impulse geben, dürfte gleichwohl die immense Liquidität die Märkte weiterhin stützen.

Die Korrelation zwischen den Anlageklassen war in den vergangenen Wochen sehr hoch. Die Anleihen-Spreads von Unternehmen und Schwellenmärkten folgten weiterhin den Aktien, doch ist zu beobachten, dass die Spreads bei Investment-Grade-Anleihen trotz der Rally in den vergangenen zwei Monaten nach wie vor nur 50 bis 60 Prozent über den Niveaus von Anfang 2020 liegen; zu einem Zeitpunkt, da Aktien (zumindest in den USA) ihre Verluste wieder wettgemacht haben. Angesichts des Umstands, dass die Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantiks Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating kaufen, dürfte es hier noch Spielraum für eine Erholung der Renditenaufschläge geben.

Das Kräftemessen zwischen den von den Zentralbanken bereitgestellten Liquiditätsschüben und rezessiven Fundamentaldaten dürfte sich in den nächsten Monaten fortsetzen. Bis Ende Juni erwarten wir keine wesentlichen neuen politischen Entwicklungen. Die größten Ungewissheiten dürften sich daher aus dem weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie und den Auswirkungen der Wiedereröffnung der Volkswirtschaften nach der Abschottung ergeben. In Europa wird die Aufhebung der Reisebeschränkungen in der kommenden Woche von besonderer Bedeutung sein: Wir bleiben wachsam gegenüber der Möglichkeit, dass sich eine zweite Infektionswelle einstellt.