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Experten

Schroders
Modernes Großraumbüro

Marktkommentar Schroder Real Estate Was macht das Homeoffice mit Büro-Immobilien?

Während der Covid-19-Krise mussten viele Unternehmen ihre Angestellten ins Homeoffice schicken. Einige Firmen haben bereits angekündigt, an diesem Konzept festzuhalten. Wird damit in Zukunft die Nachfrage nach Büroflächen drastisch sinken? Mark Callender, Head of Real Estate Research bei Schroders, bezieht Stellung.

13.08.2020 - 12:32 Uhr | in Schroders

Eine der alltäglicheren Folgen des Corona-Virus bestand darin, dass Büros plötzlich evakuiert wurden  Homeoffice wurde zum Trend. In den USA arbeiten derzeit schätzungsweise 40 bis 50 Prozent der Menschen hauptsächlich von zu Hause aus. 2019 hingegen waren es lediglich 5 Prozent. Da Regierungen die Menschen aufforderten, zu Hause zu bleiben, haben sich die Arbeitsgewohnheiten weltweit verlagert.

Die wichtigste Frage für Immobilieninvestoren lautet nun: Wird dieses erfolgreiche Experiment in Sachen Homeoffice zu einem Paradigmenwechsel bei der Belegung von Büroflächen und somit zu einem strukturellen Rückgang der Nachfrage nach diesen Immobilien führen?

Mehr Platz für weniger Menschen

Die Vorschriften zur sozialen Distanzierung bedeuten, dass die Unternehmen ihre Büroflächen auch nach einer Lockerung der Lockdown-Regeln kaum verkleinern dürften – ganz im Gegenteil: Es könnte sogar sein, dass pro Person mehr Fläche notwendig sein wird. Ob Unternehmen zusätzliche Flächen anmieten können, ist im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld jedoch zu bezweifeln.

Die meisten Unternehmen stehen vielmehr vor der Frage, wie viele ihrer Mitarbeiter sie auf sichere Weise in ihren bestehenden Büros unterbringen können. Die Antwort variiert je nach Gestaltung des Gebäudes und je nachdem, ob es sich um Großraum- oder Einzelbüros handelt. Raumplaner schätzen jedoch, dass die meisten Büros derzeit wohl für nur 25 bis 40 Prozent der Mitarbeiter ein sicheres Arbeitsumfeld bieten können.

Zusätzlich zur sozialen Distanzierung müssen Unternehmen außerdem die Hygienemaßnahmen erhöhen. Das reicht von der Installation von Spendern für Handdesinfektionsmittel und regelmäßigen Tiefenreinigungen über die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und der Modernisierung der Luftfilter bis hin zu Fiebermessen an Gebäudeeingängen oder mobilen Apps, mit denen sich die Bewegungen von Personen innerhalb des Gebäudes nachverfolgen lassen.

Hinzu kommt die Herausforderung, wie die Mitarbeiter überhaupt ins Büro gelangen. Denn vor allem in Städten wie München, Berlin oder Frankfurt nutzt ein Großteil der Angestellten auf dem Weg zur Arbeit den öffentlichen Verkehr – und würde sich in Zeiten der Pandemie auf dem Arbeitsweg einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzen.

Hauptverkehrsmittel der Pendler, nach Stadt

 Quelle: Eurostat, 2017

Dauerhafter Wandel?

Werden diese Trends fortbestehen, wenn die Gefahr des Corona-Virus gebannt ist? Wird das Homeoffice zu einer echten Alternative zur Büropräsenz? Und werden Unternehmen die von ihnen belegten Büroflächen verringern?

Einige Unternehmen haben bereits beschlossen, ihre Büros zu verkleinern. Facebook und Twitter haben jeweils Pläne für eine dauerhafte Verlagerung ins Homeoffice angekündigt, und Barclays und Morgan Stanley überprüfen derzeit offenbar ihren Bedarf an Büroflächen. Als erheblicher Kostenfaktor sind Miete sowie Neben- und Betriebskosten vielen Unternehmen ein Dorn im Auge.

Für Mitarbeiter hat das Homeoffice seine Vorzüge, etwa durch das Wegfallen des Arbeitsweges, der in Großbritannien und den USA im Schnitt etwa eine Stunde beträgt. Darüber hinaus verringert das Homeoffice die Anzahl der Autos auf den Straßen und verbessert damit nicht nur den Verkehrsfluss, sondern auch die Luftqualität (zumindest solange noch Verbrennungsmotoren die meisten Autos antreiben).