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Schroders

Was macht das Homeoffice mit Büro-Immobilien?

13.08.2020 12:32 Uhr |

Die Rolle des Büros

Doch warum ist Homeoffice angesichts dieser Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor dem Ausbruch des Corona-Virus nicht weiter verbreitet gewesen? Der Druck zu Einsparungen ist für Unternehmen schließlich nichts Neues  E-Mail und Videokonferenzen gibt es bereits seit 25 Jahren. Der Hauptgrund, weshalb so viele Unternehmen weiterhin Büros betreiben, dürfte die Produktivität sein. Trotz technologischer Fortschritte ist das Büro nach wie vor der beste Ort, um mit Kollegen zu kommunizieren, neue Ideen voranzutreiben, Werte zu teilen und sich mit Kunden zu treffen.

Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass auch Mitarbeiter aus der Büropräsenz Vorteile ziehen. Persönliche Treffen sind für den Aufbau von Beziehungen und von Vertrauen äußerst wichtig. Studien legen nahe, dass sich Menschen, die vor allem von zu Hause aus arbeiten, häufig isoliert fühlen und nicht nur Gefahr laufen, ihre Motivation für die Arbeit zu verlieren, sondern auch bei Beförderungen eher übersehen zu werden und ein langsameres Gehaltswachstum zu verzeichnen. Darüber hinaus gefällt vielen Menschen die räumliche Trennung zwischen der Arbeit und ihrem Zuhause. Besonders jüngere Mitarbeiter, die in Wohngemeinschaften oder kleinen Wohnungen leben, ziehen es eventuell vor, im Büro zu sein, insbesondere bei zentraler Lage und in der Nähe anderer Anlaufstellen wie Fitnessstudios, Bars und Geschäften.

Aus diesen Gründen haben viele Unternehmen, darunter Technologie-Riesen wie Apple und Google, in den vergangenen Jahren in neue Büroflächen investiert. Das Büro ist neben dem Gehalt und anderen Leistungen zu einem zusätzlichen Aspekt geworden, mit dem Unternehmen versuchen, Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden.

Rückkehr zur Büropräsenz?

Dass das Büro ein überholtes Konzept sei, wäre eine voreilige Aussage. Dafür weist es nach wie vor zu viele Vorteile auf. Einige Unternehmen werden zwar versucht sein, nach der Pandemie weiterhin in großem Umfang mit Telearbeit fortzufahren und ihren Bedarf an Büroflächen zu senken. Wir erwarten jedoch, dass die Mehrheit zu früheren Arbeitsmustern zurückkehren wird, auch wenn es künftig wohl mehr Mitarbeiter geben wird, die einen Tag in der Woche von zu Hause aus arbeiten oder anderweitig ihre Büropräsenz flexibler gestalten als vor der Corona-Krise.

Unseres Erachtens stellen vielmehr neue Technologien wie Blockchain, robotergestützte Prozessautomatisierung und Spracherkennung wahrscheinlich eine größere Bedrohung für das Büro dar. Durch sie wird sich die Anzahl der in Callcentern und der Backoffice-Administration tätigen Personen verringern. Die Nachfrage nach Büros in Stadtzentren und Universitätsnähe dürfte dennoch weiterhin zunehmen, angetrieben durch das Wachstum in den Bereichen Technologie, Life Sciences und professionelle Dienstleistungen.