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Notaufnahme im Hallenstadion: Aktienanleger scheinen zu erwarten, dass der Coronavirus-Ausbruch einen großen, aber kurzlebigen Effekt auf China haben wird, der nur sehr wenig auf die Weltwirtschaft übergreift | © imago

Multi-Asset-Strategien von Unigestion Angst gegen Gier

In der Vergangenheit ignorierten die Märkte Virusausbrüche. Das bedeutet jedoch nicht, dass das auch dieses Mal der Fall sein wird, warnt das Multi-Asset-Team von Unigestion. Die Schwere des Virus werde letztlich die Reaktion des Marktes diktieren.

12.02.2020 - 10:13 Uhr | in Artikel

Seit Mitte Januar wurden die Finanzmärkte hauptsächlich von den Nachrichten über den Ausbruch des Coronavirus beeinflusst. Das Ausmaß der Auswirkungen des Virus auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte ist zu diesem frühen Zeitpunkt nicht vorhersehbar.

Die Reaktion auf den Renten-, Rohstoff- und Devisenmärkten wird von Angst und hoher Unsicherheit getrieben. Im Januar gab Kupfer an zwölf aufeinanderfolgenden Tagen nach, was die längste je gemessene Verlustserie darstellt. Rohöl verlor 25 Prozent gegenüber seinem Höchststand, während die US-Renditen um 40 Basispunkte fielen und die defensiven Währungen gegenüber den Risikowährungen zulegten (AUDUSD -4,9 Prozent), JPYKRW + 4 Prozent). Dagegen scheinen Aktienanleger zu erwarten, dass der Ausbruch einen großen, aber kurzlebigen Effekt auf China haben wird, der nur sehr wenig auf die Weltwirtschaft übergreifen wird. Die Unterstützung der chinesischen Notenbank PBOC und die umfangreiche Liquidität, die von den Zentralbanken in aller Welt angeboten wird, sowie deren Reaktionsbereitschaft ermutigen Aktieninvestoren, in jeder Marktkorrektur zu kaufen. Es scheint, dass die verängstigten Makroinvestoren in die Berge fliehen, während Aktieninvestoren in einem Meer von Liquidität schwimmen.

Epidemie = Kaufgelegenheit?

In den Medien wurde viel über frühere Epidemien geschrieben, um für die möglichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte in den kommenden Monaten eine Blaupause zu haben. Der S&P500 verzeichnete ein Plus von 14,59 Prozent, 6 Monate nach dem ersten Auftreten von SARS in den Jahren 2002 bis 2003, und nach 12 Monaten lag der Index um 20,76 Prozent höher. Die Schwere des Virus wird letztendlich die Reaktion des Marktes diktieren, und nur, weil die Indizes in der Vergangenheit Ausbrüche ignorieren konnten, bedeutet das nicht, dass dies auch dieses Mal der Fall sein wird.  Zum Vergleich: Im Jahr 2003 war die chinesische Wirtschaft viel kleiner und machte nur 4,4 Prozent des globalen BIP aus (15,4 Prozent im Jahr 2019).  Außerdem war China viel weniger in die globale Lieferkette eingebunden als heute, und daher war das Risiko eines wirtschaftlichen Schocks, der sich auf den Rest der Welt ausbreitet, viel geringer.

Darüber hinaus waren die umfangreichen Anstrengungen zur Eindämmung des Coronavirus beispiellos und dies wird zu einer plötzlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft führen.  Die ersten Störungen wurden durch den Angstfaktor (Nachfrageschock) verursacht, der die Mobilität der Menschen einschränkte und zu einem vorübergehenden Rückgang der damit verbundenen Aktivitäten wie Tourismus, OfflineEinzelhandelsverkauf, Transport, Gastronomie und Unterhaltung führte. Die Feiertage wurden für den größten Teil des Landes verlängert, Fabriken, Geschäfte und Restaurants geschlossen und Schiffe im Hafen festgehalten. Es wurde klar, dass der Angebotsschock einen großen Einfluss auf alle Sektoren der Wirtschaft haben würde. Bislang haben 14 Provinzen und Städte in ganz China, darunter die wichtigsten Industriezentren Shanghai, Jiangsu, Guangdong und Fujian, die Unternehmen angewiesen, erst in der Woche ab dem 10. Februar wieder zu öffnen. Diese Orte tragen rund 77 Prozent zum chinesischen BIP und 80 Prozent zu seinen Exporten bei.

Da China heute im Zentrum vieler globaler Lieferketten steht, kann dies Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Ein großer Teil der nach China exportierten Waren Asiens sind Zwischenprodukte, die vor dem Verbrauch in China zusammengebaut oder in den Rest der Welt verschickt werden. Die Entwicklungen in den nächsten Wochen werden entscheidend sein, da das Ausmaß des Angebotsschocks vom Tempo der Produktionserholung abhängt.

In der Vergangenheit erwiesen sich Epidemien als große Kaufgelegenheiten für die Aktienmärkte, aber, wie bereits erwähnt, ist der Ausbruch des Coronavirus nicht mit einer anderen Epidemie vergleichbar. So kam das SARS-Virus zu einem Zeitpunkt auf, als die globalen Aktienmärkte nach dem Platzen der Dotcom-Blase ihren Tiefpunkt erreichten hatten. Die Fed hatte deutlich die Zinsen gesenkt, der Dollar fiel, was den Schwellenländern Auftrieb gab und die USA waren in einen Krieg mit dem Irak eingetreten. Die Lage ist jetzt anders. Die chinesische Wirtschaft und der Welthandel verloren bereits mit dem Herannahen der Coronavirus-Epidemie an Schwung, die Bewertungen sind teuer und die Aktienmärkte befinden sich in der längsten Expansionsphase aller Zeiten. Es stellt sich die Frage, warum die globalen Aktienmärkte um 2% gestiegen sind und die Schwellenmärkte trotz all dieser Unsicherheit bisher nur leicht rückläufig sind. Das Warten auf einen Markteinbruch ist eine schwierige Strategie, wenn die Märkte mit Liquidität überschwemmt sind!