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Ara im Amazonas: Kolumbien unterstützt die Umweltziele der Vereinten Nationen | © Getty Images

Nachhaltige Staatsanleihen Kolumbien ist ein gutes Zielland

Grüne Staatsanleihen sind der Renner in der Finanzbranche. In Europa haben nach Frankreich und Dänemark jüngst auch die Niederlande Green Bonds aufgelegt. Doch auch Südamerika bietet Chancen: Maria Municchi von M&G Investments zufolge ist vor allem Kolumbien eine gute Adresse für Umweltfreunde.

18.06.2019 - 16:44 Uhr | in Märkte

Nachhaltige Anleihen sind in der Finanzbranche derzeit ein wichtiges Thema. Die niederländische Regierung vergab am 21. Mai ihren ersten Green Bond mit zwanzigjähriger Laufzeit und einem Volumen von knapp 6 Milliarden Euro, um nachhaltige Investitionen zu fördern. Auch die deutsche Regierung prüft die Einführung einer grünen Bundesanleihe, deren Erlöse in umweltfreundliche Projekte fließen soll.

Doch halten grüne Staatsanleihen einer Nachhaltigkeitsanalyse nach den Kriterien Umwelt, Soziales und Governance (engl.: Environment, Social, Governance, kurz: ESG) überhaupt stand? Maria Municchi von M&G Investments ist überzeugt, dass allein aufgrund der vielfältigen Aufgaben eines Staates keine Regierung in der Lage sein dürfte, strenge Nachhaltigkeitsstandards zu erfüllen. Offensichtliche Beispiele seien Verteidigungsausgaben und in manchen Ländern die starke Förderung fossiler Brennstoffe. Gleichzeitig diene aber oft sogar ein größerer Anteil des Staatshaushaltes dazu, den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern. Das sei etwa in den USA der Fall, die zwar mit 12 Prozent ihres Haushaltes den höchsten Verteidigungsetat weltweit hätten, dennoch aber den größten Teil ihrer Staatsausgaben für soziale Zwecke einsetzten. „Aus ethischen Gründen auf US-Staatsanleihen zu verzichten, sei deshalb nicht angemessen. Wir müssen vielmehr prüfen, ob der Nettoeffekt der Staatsausgaben positiv ist“, sagt Municchi.

Municchi empfiehlt Investoren, Staatsanleihen möglichst unvoreingenommen zu beurteilen. Die vom US-Finanzdienstleister MSCI angewandte Methode zur Bestimmung von Ratings von Staaten könne etwa dazu genutzt werden, das Ausmaß an Korruption, Rechtsstaatlichkeit und der Wahrung der Menschenrechte zu bestimmen. „Eine Beurteilung von Märkten, in denen weniger Daten verfügbar sind, kann allerdings schwierig sein, so dass Anleger auch qualitative Aspekte hinzuziehen müssen“, sagt Municchi. Aktuelles Beispiel sei die Bewertung dreier Emittenten aus Schwellenländern: „Kolumbien, Indonesien und Ägypten könnten aus Renditesicht recht attraktiv sein. Doch wenn ESG-Aspekte berücksichtigt werden, trifft dies auf zwei Länder deutlich weniger zu.“

Kolumbien setzt sich für Nachhaltigkeit ein

So sei Kolumbien im Nachhaltigkeitsbereich eine wichtige Adresse auf internationaler Ebene und habe die Entwicklung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen aktiv und progressiv unterstützt. Im Gegensatz dazu besitze Indonesien zwar insgesamt ein ESG-Rating mit „BB“ von MSCI und weise gute Fundamentaldaten vor. Allerdings setze sich das Land nur ungenügend für den Umweltschutz in der Palmölproduktion sowie für andere Maßnahmen zum Umweltschutz auf nationaler und internationaler Ebene ein. In Ägypten wiederum sei die soziale Governance nicht ESG-konform. Organisationen wie Freedom House – eine NGO aus den USA, die die Entwicklung von Demokratie und Freiheit misst und überprüft – stuften Ägypten als eines der unfreiesten Länder der Welt ein.

Für nachhaltig orientierte Anleger können kolumbianische Staatsanleihen daher durchaus interessant sein, indonesische und ägyptische Titel derzeit jedoch weniger. Municchis Fazit: „Staatsanleihen sind unter ESG-Gesichtspunkten zwar schwieriger zu beurteilen als Unternehmensanleihen, doch als eine der wichtigsten Anlageklassen dürfen wir sie nicht ignorieren – sowohl mit Blick auf die Vielfalt der Anlagemöglichkeiten als auch einer verantwortlichen Titelauswahl.“