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Andrej Babis und ANO-Sprecherin Lucie Kubovicova betreten nach der Wahl im ANO-Sitz in Prag die Bühne: Tschechien hat eine konjunkturelle Sonderstellung in der Europäischen Union | © Getty Images

Parlamentswahl in Tschechien „Pragmatiker“ holt die Tschechen ab

Im wirtschaftlich florierenden Tschechien hat der rechtspopulistische Milliardär Andrej Babis fast drei Mal so viele Stimmen auf sich vereint wie die zweitstärkste Kraft. Einen Beitritt der Republik zur Eurozone lehnen 85 Prozent der Tschechen ab.

23.10.2017 - 10:47 Uhr | Von:  in Märkte

Unmittelbar nach der Parlamentswahl in Österreich entscheiden sich auch in Tschechien viele Wähler für einen Rechtsruck: Der populistische Milliardär Andrej Babis und seine ANO-Bewegung konnten die meisten Wählerstimmen in der Parlamentswahl auf sich vereinen.

Die ANO, zu Deutsch „Aktion unzufriedener Bürger“, lag nach Auszählung von 99,6 Prozent der Stimmen bei 29,7 Prozent und ließ damit die anderen Parteien weit abgeschlagen hinter sich, teilte das tschechische Statistikamt mit.

Auffällig in diesem Zusammenhang: Auch andere europaskeptische und immigrationsfeindliche Parteien schafften den Sprung ins Parlament. Nur ein Drittel so viele Stimmen wie die ANO holte die konservative Demokratische Bürgerpartei als stärkste Mainstream-Partei; sie musste sich mit Platz zwei (11,3 Prozent der Stimmen) zufrieden geben. Die bisher regierenden Sozialdemokraten fanden sich mit lediglich 7,3 Prozent weit abgeschlagen auf Platz sechs wieder.

Unter der Führung des EU-Kritikers Andrej Babis, Eigentümer des Agrar-Mischkonzerns Agrofert, dürfte nun eine weitere europaskeptische Regierung in einem EU-Mitgliedsstaat an die Macht kommen. Tschechien gehört seit 2004 der Europäischen Union an.

Fast alle Tschechen lehnen Euro ab

Schon direkt vor den Wahlen hatte sich in einer Umfrage die europaskeptische Haltung der Tschechen gezeigt: Mehr als 85 Prozent der Befragten votierten gegen die Idee, die Tschechische Krone durch den Euro zu ersetzen, so das Consulting-Unternehmen Datamar.

Die Tschechen sind stolz auf ihre Landeswährung: Die Krone hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber dem US-Dollar um mehr als zehn Prozent aufgewertet. Seit der Wechselkursfreigabe im April hat die Krone auch zum Euro an Wert zugelegt und hat beim Wertzuwachs unter anderem den russischen Rubel, den polnischen Zloty und die schwedischen Krone überholt.