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Geht von einer Konsolidierung des Goldpreises im Spätsommer aus: pro aurum-Gründer Robert Hartmann | © pro aurum

pro aurum-Gründer Robert Hartmann „Negative Realzinsen sind der Haupttreiber für die Goldrally“

Die Deutschen investieren ihr Geld zurzeit verstärkt in Gold – auch bei pro aurum, Deutschlands größtem bankenunabhängigen Goldhändler. pro aurum-Miteigentümer Robert Hartmann über die Entwicklung des Goldpreises, das Potenzial von Silber – und warum die Deutschen stärker in Sachwerte investieren sollten.

02.03.2020 - 14:27 Uhr | in Gold

multiasset.com: Herr Hartmann, die Goldrally reißt nicht ab. Wie spiegelt sich das in der Nachfrage bei pro aurum?

Robert Hartmann: Im vergangenen Dezember hatten wir in der Tat einen echten Run auf Edelmetalle gesehen, der stark an das Treiben am Höhepunkt der Finanzkrise in den Jahren 2011 und 2012 erinnert hat. Mittlerweile hat sich die angespannte Versorgungslage wieder entspannt. Die meisten Gattungen sind prompt verfügbar. Das gesamte Orderaufkommen hat sich seit Januar 2020 im Vergleich zum Dezember 2019 beruhigt. Dennoch ist es nicht zu einem drastischen Umsatzeinbruch gekommen, der aufgrund der Absenkung der Bargeldgrenze für anonyme Bargeschäfte erwartet werden konnte.

Warum bleiben Ihre Umsätze relativ stabil?

Hartmann: Die aktuell sehr hohe Volatilität ist immer gut für robuste Orderzahlen. Schnell steigende und fallende Asset-Preise setzen Anreize für die Anleger. Die einen sind noch nicht investiert und kaufen sich angesichts der negativen Realzinsen in den Markt ein. Die anderen sehen ein neues Allzeithoch beim Goldpreis als Anlass, um einfach Mal Kasse zu machen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder günstiger einsteigen zu können.  

Die Preise sind hoch. Ihre Beobachtungen: Kommen inzwischen auch größere Goldvolumen in den Ankauf?

Hartmann: Zahlreiche Kunden, die schon früh in Gold investiert haben, verkaufen derzeit auch wegen des hohen Goldpreises. Wir sehen aktuell vermehrt Verkaufsaufträge in einer Größenordnung von 25.000 bis 100.000 Euro. In normalen Zeiten sind 90 Prozent unserer Kunden auf der Käuferseite und 10 Prozent verkaufen. In der letzten Februarwoche war etwa jeder fünfte Kunde auf der Verkäuferseite.  

Seit 1. Januar ist anonymer Goldkauf nur noch bis 1.999,99 Euro möglich. Wie reagieren Ihre Kunden auf die neue Bargeldobergrenze?

Hartmann: Aufgrund der anderen übergeordneten Themen, wie etwa die Negativzinsen oder das Coronavirus, ist die neue Bargeldgrenze für anonyme Käufe nicht mehr das zentrale Thema. Viele Kunden haben sich bereits daran gewöhnt und kaufen mit Legitimation über 2.000 Euro hinaus. Derzeit nehmen die Onlineorders auch stark zu und hier konnte ja noch nie anonym gekauft werden.

Das Gold-Silber-Ratio liegt bei derzeit bei 95. Wie sieht das Gold-Silber-Verhältnis am Schalter aus?

Hartmann: Unsere Kunden sind schon seit mehr als 12 Monaten deutlich aktiver beim Silberkauf, als in den drei Jahren davor. Die Bestseller sind die differenzbesteuerten Silberunzen Krügerrand, Maple Leaf und Känguru. Hier bekommt man am meisten Silber fürs Geld. Aber es erreichen uns vermehrt auch große Kaufaufträge von vermögenden Kunden, die sich vorzugsweise Silberbarren mit 5 und 15 Kilogramm mehrwertsteuerfrei in unser Zollfreilager in Zürich liefern lassen.

Silber besitzt großes Aufholpotenzial, notiert es doch rund 50 Prozent unterhalb der Höchststände von 2011. Wir glauben, dass der Silberpreis den des Goldes in diesem Jahr klar outperformen wird und sich somit das Gold-Silber-Ratio wieder dem langjährigen Durchschnitt zwischen 55 und 60 annähern wird. Vom Gesamtumsatz in unserem Online- und Filialgeschäft entfallen aktuell rund 90 Prozent auf Gold und 7 Prozent auf Silber, den Rest von 3 Prozent teilen sich Platin und Palladium.

Die EZB will den Leitzins bis mindestens Mitte 2020 nicht antasten, auch die Fed hält die Füße still. Die Zinsen werden weiterhin niedrig bleiben. Was müssen Privatanleger jetzt wissen?

Hartmann: In China hat die chinesische Notenbank die Geldpolitik bereits gelockert und etliche Milliarden in den Markt gepumpt. Viele Experten erwarten nun, dass auch die US-Notenbank aus Sorge vor den Auswirkungen des Coronavirus die Zinsen senken wird. Die Anleger sollten sich darauf einstellen, dass es auf absehbare Zeit keine nennenswerten Zinsen mehr geben wird. Gerade die Deutschen sollten sich ihr Portfolio ganz genau anschauen, das Motto wird lauten müssen: Raus aus Geldwerten, rein in Sachwerte.

Welcher Treiber bedarf es, damit der Goldpreis künftig weiter steigt?

Hartmann: Solange die realen Zinsen negativ bleiben, ist der Haupttreiber für eine anhaltende Goldrallye aktiv. Politische Ereignisse haben in der Regel nur sehr kurzfristigen Einfluss auf die Preisfindung bei den Edelmetallen. Ich halte es für wichtig, dass die Notenbanken weiter regelmäßig als Käufer am Markt auftreten. Das macht es für Papiergoldverkäufer sicherlich deutlich riskanter, in großem Maß auf fallende Preise zu spekulieren.  

Ihre Einschätzung: Wie wird sich der Goldpreis in den kommenden Monaten entwickeln?

Hartmann: Wir haben beim Goldpreis in Euro innerhalb von wenigen Monaten eine sehr starke Aufwärtsbewegung auf neue Allzeithochs gesehen. Der Chart sieht aus wie eine Fahnenstange, was meines Erachtens so nicht bleiben kann. Ich rechne also bis zum Spätsommer eher mit einer Konsolidierung, bevor es dann später wieder weiter nach oben gehen kann.