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Experten

Schroders
US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping: Die Fronten im Handelskonflikt haben sich entspannt. Foto: Getty Images | © Getty Images

Schroders zur Geldpolitik in der Eurozone „Draghi hinkt den Märkten hinterher“

Die Gefahr des Handelskrieges scheint gebannt, doch nun trüben Konjunktursorgen die Stimmung an den Finanzmärkten. Worauf Investoren ihr Augenmerk richten sollten, sagen Experten des britischen Vermögensverwalters Schroders.

25.04.2019 - 10:52 Uhr | in Schroders

Für Anleger geht es in diesem Jahr vom Regen in die Traufe. Kaum haben sich die Märkte angesichts der erfreulichen Nachrichten um den Handelskonflikt zwischen den USA und China entspannt, kommen schon die nächsten Sorgen. „Statt Handelskriegen bereiten jetzt die Politik und das Wachstum den Anlegern Probleme“, schreiben Experten des britischen Vermögensverwalters Schroders in einer Marktanalyse.

Besonders dramatisch sehen Anleger die Inversion der Renditekurve in den USA: Erstmals seit zwölf Jahren sind die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen höher als bei langfristigen – ein Zeichen, dass Anleger bereit sind, für länger laufende Staatsanleihen weniger zu zahlen, weil sie wieder mit sinkenden Zinsen rechnen. Sie erwarten eine Rezession, die die Währungshüter zu Zinssenkungen zwingen könnte.

Zwar könnte sich die Konjunktur kurzfristig erholen. „Auf längere Sicht hegen wir allerdings weiterhin Bedenken“, so die Schroders-Volkswirte. Und das nicht ohne Grund: „Die Margen sind rückläufig und könnten Gewinne unter Druck setzen, was wiederum dazu führen könnte, dass Arbeitsplätze abgebaut und Investitionen gestrichen werden“, warnen die Experten. Zwar könnten Unternehmen den Kostendruck möglicherweise in Schranken halten. Doch schon im nächsten Jahr – wenn nicht gar früher – könnte ein solches Umfeld die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zu Zinssenkungen bewegen.

Europäische Zentralbank schadet ihrer Glaubwürdigkeit

Während die Fed bei ihren Zinsen noch Luft nach unten hat, gehen der Europäischen Zentralbank (EZB) dagegen die Möglichkeiten aus. Dennoch hat die Führung des Geldinstituts angesichts der schwachen Konjunktur ihren erwarteten Zinserhöhungstermin verschoben. „Die Notenbanker glauben, mit ihrem Ausblick der tatsächlichen Entwicklung voraus zu sein“, sagen die Experten von Schroders. „Wir teilen diese Meinung jedoch nicht. Die EZB hinkt den Markterwartungen eindeutig hinterher, und die Änderung ihres Ausblicks, mit der sie ihre Glaubwürdigkeit schützen will, beschädigt diese nur.“

Eine Japanisierung Europas?

Angesichts dieser Lage sprechen Experten von der drohenden Japanisierung Europas. Tatsächlich sind Vergleiche der europäischen Geldpolitik mit der japanischen nicht von der Hand zu weisen: Seit zehn Jahren bewegen sich Japans Zinsen auf der Nulllinie. Ein bedeutender Aufschwung lässt unterdessen auf sich warten. Auch in Europa haben die Währungshüter das Zeitfenster für die Normalisierung allem Anschein nach verpasst – mit dramatischen Folgen. „Aufgrund der Verschiebung der geldpolitischen Straffung halten Anleger Negativzinsen für den neuen Normalfall“, so die Volkswirte von Schroders. „Das wirkt sich nachhaltig auf die Bankengewinne aus und wirft ernsthafte Fragen zu den Umverteilungseffekten der EZB-Politik auf.“

Erfreuliche Wirtschaftsentwicklung in Indien

Dass Wirtschaft auch unabhängig von der Politik sein kann, zeigt der Ausblick der Schroders-Experten für Indien. „In Indien stehen Wahlen bevor, bei denen ein Sieg von Modi am wahrscheinlichsten ist“, prognostizieren die Volkswirte. „Doch wer auch immer gewinnt: Wir schätzen die Wachstumsentwicklung in Indien weiterhin vorsichtig optimistisch ein.“