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Jugendliche in Shanghai: „Die chinesischen Millennials umfassen 415 Millionen Menschen“ | © Getty Images

Schwellenländer „Millennials vor vielversprechender Zukunft“

Der Aufstieg wohlhabender Millennials beschleunigt die Wende in den traditionellen Branchen der Schwellenländer und sorgt für neue Chancen aber auch Risiken an den Anlagemärkten, analysiert Will Ballard, Emerging-Markets-Experte bei Aviva Investors.

20.02.2018 - 16:20 Uhr | Von:  in Märkte

multiasset.com: Herr Ballard, die Zukunft der um die Jahrtausendwende geborenen Generation, die sogenannten „Millennials“, driftet nicht nur innerhalb der Industriestaaten auseinander, sondern auch im globalen Rahmen. Was bedeutet das für Anleger?

Will Ballard: Trotz zahlreicher Berichterstattung über Millennials wurde bisher einer Entwicklung kaum Beachtung geschenkt: den gegensätzlichen Schicksalen der Millennials in Industriestaaten und Schwellenländern. Während Millennials in den Industriestaaten in den letzten Jahren aufgrund stagnierender Löhne, steigender Immobilienpreise und wachsender Studentenverschuldung unter Druck geraten sind, vollzieht sich ein völlig anderer Trend in vielen Schwellenländern.

Indien und die schnell wachsenden ostasiatischen Länder wie Indonesien verfügen über große Kohorten junger Menschen, denen eine vielversprechende Zukunft bevorsteht. Dies kann in den nächsten Jahren zu einem wichtigen Anlagethema werden. Wer diese Chancen nutzen will, muss jedoch die Eigenheiten der demografischen Struktur und die Verbraucherpräferenzen in den einzelnen Ländern kennen.

Was genau gilt es hier zu beachten?

Ballard: Wie in vielen Schwellenländern ist das öffentliche Verkehrsnetz in Indien schlecht ausgebaut. Mit dem Wohlstand steigt auch die Anzahl von Privatfahrzeugen, insbesondere von Motorrädern. In städtischen Gebieten und in den wohlhabenderen ländlichen Regionen Indiens werden Fahrzeuge nachgefragt, die sich von der Masse abheben. Die Hersteller sind bestrebt, von diesem Trend zu profitieren. So übernahm der Automobilhersteller Eicher Motors die britische Motorradmarke Royal Enfield, die für Qualität und Stil steht. Das Unternehmen findet großen Anklang bei jungen Verbrauchern.

Dennoch kaufen Millennials bevorzugt auch heimische Produkte, nicht zuletzt aufgrund der günstigeren Preise…

Ballard: Millennials in den Schwellenländern bevorzugen Smartphone-Marken aus dem eigenen Land oder aus anderen Schwellenländern gegenüber westlichen Marken. Smartphones von Huawei, Xiaomi und Lenovo verzeichnen in Indien einen rasanten Umsatzanstieg. Neue Telekommunikationsunternehmen bieten dieser Bevölkerungsgruppe mobile Datenpauschalen an, die ihren Anforderungen besser entsprechen als Pakete der etablierten Betreiber. Unternehmen wie Reliance Jo mit Sitz in Mumbai ködern Millennials mit unglaublich günstigen Datenpaketen. Wir werden sehen, ob der Erfolg in diesem starken Wettbewerbsumfeld anhält. Sicher ist, dass Telekommunikationsanbieter, die nicht auf die Erwartungen der jüngeren Generationen eingehen, zurückbleiben werden. Diese Entwicklung ist in allen Schwellenländern zu beobachten.