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Microsoft-Filiale in New York: Corona-Pandemie beschleunigt strukturellen Wandel hin zu Cloud-Lösungen | © imago images / Levine-Roberts

Technologieaktien Inmitten der Schwierigkeiten liegt die Gelegenheit

Die größten Herausforderungen bieten häufig Chancen auf weitreichende Veränderungen. Wir rechnen damit, dass sich die gegenwärtige Disruptionswelle weiter beschleunigt, nachdem wir das Schlimmste der Covid-19-Pandemie überstanden haben, so Mark Hawtin, Investment Director für Technologieaktien bei GAM Investments.

06.04.2020 - 12:41 Uhr | in Märkte

Unserer Meinung nach hat der Markt in einer ziemlich vorhersehbaren Weise auf die Pandemie reagiert. Erstens gab es einen starken Rückgang, der in Rekordzeit eine Baisse (mehr als -20 Prozent) auslöste, wobei sich die meisten Aktien parallel dazu stark nach unten bewegten. Der erste Hinweis darauf, dass Technologiewerte in diesem Umfeld vom Markt wohlwollender behandelt wurden, war, dass führende Technologie- und High-Growth-Werte nicht stärker fielen als der Markt insgesamt. Normalerweise würden wachstumsstarke Werte in der Anfangsphase eines starken Ausverkaufs viel weiter fallen. Die Kursentwicklung war in diesem Fall durch eine Kombination aus Panik und einer erheblichen Reduktion von fremdfinanzierten Portfolios bedingt.

Es gab eine Reihe von vorhersehbaren Underperformern, als die weltweiten Ausgangssperren verhängt wurden. Fluggesellschaften, Reisegesellschaften und Hotelgruppen sind besonders schwer getroffen – einige  fürchten sogar um ihre Existenz. Gleichzeitig haben die eingeleiteten Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie zu großen Veränderungen in den Arbeitspraktiken und persönlichen Gewohnheiten geführt, die durch die technologisierte Welt, in der wir leben, ermöglicht wurden. Das Arbeiten und die Kommunikation aus der Ferne wurden durch Cloud-Lösungen vorangetrieben, die  es erlauben, von überall aus zu agieren. Noch vor zehn Jahren wäre dies nicht möglich gewesen. Gleichzeitig wurden die Lieferketten für wichtige Güter und Dienstleistungen durch das Netzwerk von Online-Einzelhändlern wie Amazon und Transport-as-a-Service-Anbietern – etwa für die Lieferung von Lebensmitteln – unterstützt. Kurz gesagt: Die Gewinner des disruptiven Wachstums der letzten zehn Jahre sind zum eigentlichen Rückgrat geworden, um in dieser beispiellosen Phase des Lockdowns jede Form von Funktionalität zu ermöglichen.

Digitale Transformation: Coronakrise als Treiber für strukturellen Wandel

Zur Veranschlaulichung: Microsofts Cloud-Nachfrage ist um 775 Prozent angestiegen, in Ländern mit einer Isolationspolitik. Der Chief Technology Officer von Telefonica berichtete jüngst, dass das für das gesamte Jahr 2020 erwartete Wachstum des Cloud-Geschäfts tatsächlich bereits innerhalb weniger Tage erreicht wurde. AT&T und Verizon, die größten Telekommunikationsanbieter in den USA, haben einen Sprung von 27 Prozent bzw. 22 Prozent im Verkehrsaufkommen erlebt. Die offensichtlichsten Nutznießer, Video- und Sprachkonferenzen, sind ebenfalls stark gewachsen – die Webex-Nutzung ist um 240 Prozent gestiegen, Facebook und WhatsApp-Messaging um 50 Prozent und Videoanrufe um 200 Prozent, um nur einige Beispiele zu nennen. Was uns jedoch fasziniert, ist, dass in Asien, wo die Isolationsmaßnahmen mittlerweile gelockert werden, die Nutzung von Remote-Technologien nach wie vor hoch ist. Wir glauben, dass diese Pandemie den strukturellen Wandel beschleunigt hin zu Cloud-Lösungen, zur Home-Office-Arbeit und zu einer Veränderung der Lebensmuster. Ein Wandel der dauerhaft sein könnte.

Der Markt hat begonnen, sich an diesen strukturellen, beschleunigten Wandel anzupassen. In einer normalen Rezession oder einem starken wirtschaftlichen Abschwung würden wir Rohstoff-Halbleiter oben auf der Verliererliste finden. In diesem Fall trifft das Gegenteil zu. Speicher, wie DRAM, NAND und HDD, werden manchmal als eine Möglichkeit genutzt, um dem Trend des Datenwachstums und der künstlichen Intelligenz auf breiter Basis zu begegnen. Während einige Unternehmen, die für dieses Thema repräsentativ sind – Siltronic, Micron und Seagate – alle in einer ersten Reaktion auf die Epidemie stark zurückgegangen sind, haben sich alle wieder erholt. Micron hat seit Jahresbeginn nur 15 Prozent und Seagate 16 Prozent verloren. Dies ist höchst untypisch für einen Abschwung, und wir glauben, dass es ein klares Zeichen für den sich beschleunigenden Trend hin zu Cloud-Lösungen ist.