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US-Präsident Donald Trump unterzeichnet seine Steuerreform: Joe Biden hat angekündigt, dass er im Falle seiner Wahl das Steuergesetz sofort rückgängig machen will | © imago images / MediaPunch

US-Politik Die US-Präsidentschaftswahl birgt Risiken für den Aktienmarkt

Soziale Unruhen, Corona-Pandemie und anhaltende Spannungen zwischen den USA und China – die Weltwirtschaft und die Kapitalmärkte sind zahlreichen Risiken ausgesetzt. Doch das größte Risiko für die Aktienmärkte liegt in der anstehenden US-Präsidentschaftswahl, so Till Budelmann, Kapitalmarktstratege bei Bergos Berenberg.

23.06.2020 - 12:36 Uhr | in News

Ein Blick auf den starken Wiederanstieg der Aktienmärkte lässt vermuten, dass die Wirtschaft überall in voller Erholung und diese durch so gut wie nichts aufzuhalten ist. „Es gibt jedoch mehrere Risiken für die Weltwirtschaft und für den globalen Aktienmarkt, die es richtig einzuordnen gilt. Dabei ist es wichtig, die Emotionen außen vor zu lassen", sagt Till Budelmann.

Als eines der Risiken diskutieren Marktteilnehmer zur Zeit die Unruhen in mehreren US-Städten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt. Allerdings sollten die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte begrenzt sein, solange die Situation nicht in bürgerkriegsähnliche Zustände ausartet. Ein weiteres Risiko bleibt die Covid-19-Pandemie. Die Lage in der entwickelten Welt scheint sich diesbezüglich etwas zu beruhigen. „Auch im Hotspot USA sind die täglichen Todesfälle beispielsweise seit dem Höhepunkt im April recht stetig gesunken. In einzelnen Staaten ist die Anzahl der Neuinfizierten zuletzt allerdings gestiegen und die Gefahr einer zweiten Welle von Maßnahmen durch die Politik bleibt global bestehen. Ein erneutes Herunterfahren der Wirtschaft wäre extrem unvorteilhaft für die einzelnen Märkte", so der Kapitalmarktexperte von Bergos Berenberg. Allerdings hat Finanzminister Steve Mnuchin bereits verkündet, dass es zumindest in den USA keinen weiteren Lockdown geben wird.

Ein drittes Risiko liegt im Handelsstreit zwischen den USA und China. „Die Rhetorik hat sich zuletzt wieder deutlich verschärft, was für beide Seiten opportun ist. In Amerika ist Wahlkampf und auch für Chinas Staatschef gilt es, Stärke zu zeigen", sagt Budelmann, der jedoch nicht von einer Eskalation des Streits mit neuen Zöllen ausgeht. Denn das wäre für beide Machthaber in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage wiederum nicht förderlich. Budelmann hält es zudem für sehr unwahrscheinlich, dass alle drei Themen gleichzeitig eskalieren, scheinen diese doch negativ miteinander korreliert zu sein. Die Risiken werden die Welt aber auch im zweiten Halbjahr begleiten. Im Mittelpunkt dürfte dann seiner Ansicht nach jedoch ganz klar der US-Wahlkampf stehen: „Es hat eine sehr hohe Relevanz für Wirtschaft und Aktienmarkt in den USA, aber auch weltweit, wer künftig im Weißen Haus sitzt und wer über die Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus verfügt."

Drohende Steuererhöhung oder lieber Handelsstreitigkeiten?

Im November werden in den Vereinigten Staaten der Präsident, ein neues Abgeordnetenhaus und ein Drittel des Senats gewählt. Für die Republikaner geht Donald Trump ins Rennen, für die Demokraten Joe Biden, der dem gemäßigten Lager der Partei angehört. Zwei Themen, welche die Aktienmärkte immer wieder beschäftigt haben und dies wohl auch künftig tun, sind Steuern/Regulierung und Handelsstreit mit China. Trumps Steuersenkungen und Regulierungsabbau haben die Aktienmärkte sehr begrüßt. Die Auseinandersetzung mit China, die Trump immer wieder befeuert hat, hat die Märkte allerdings verunsichert. So würde es wahrscheinlich auch in einer zweiten Amtszeit aussehen, dann womöglich sogar noch erweitert um ernste Reibereien mit Europa. Ein Präsident Biden hingegen würde versuchen, die Steuern zu erhöhen und die Regulierung zu verstärken. Das wäre gerade für den US-Aktienmarkt eher negativ. Auch die Wähler der Demokraten sind zwar nicht sonderlich chinafreundlich gestimmt, jene würden aber wahrscheinlich zurückhaltender agieren, was angenehmer für die weltweiten Kapitalmärkte wäre. „Es zählt jedoch nicht nur die Präsidentschaft, sondern auch die Machtverteilung im Senat und Abgeordnetenhaus. So ist beispielsweise für eine Steuerreform die Zustimmung beider Kammern notwendig", erläutert Budelmann.