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Demokraten-Kandidatin Elizabeth Warren: Der Rückzug aus dem Nachkriegsliberalismus könnte sich ausweiten | © Getty Images

US-Präsidentschaftswahlkampf Wer hat Angst vor Präsidentin Warren?

Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren würde Trumps unternehmens- und marktfreundliches „Tax Cuts and Jobs Act“ von 2017 aufheben, warnt Euart MacKerron, Fixed Income Investment Analyst bei Kames Capital.

07.11.2019 - 17:12 Uhr | in Artikel

Die Stimmen über einen möglichen Zusammenbruch der US-Aktienmärkte um diese Zeit im nächsten Jahr – die Tage nach den Präsidentschaftswahlen 2020 – werden immer lauter. Warum dies so ist? Senatorin Elizabeth Warren und nicht der bisherige Favorit Joe Biden könnte als demokratische Präsidentschaftskandidatin bestätigt werden.

Die Kandidatin, die auf eine Überarbeitung der Steuern, des Handels, des Gesundheitswesens und vor allem mehr gegen Trump setzt, welcher sich in seiner ersten Amtszeit seine Pro-Unternehmens Vorhaben an den Mast nagelte, holt immer mehr auf. Es wäre nicht korrekt zu unterstellen, Warren wollte, dass Vermögenswerte zusammenbrechen – oder sie in die gleiche Ecke wie Bernie Sanders zu stellen –, aber sie strebt eine umfassende Überarbeitung der aktuellen Ordnung an.

Warren schlägt Vermögenssteuern für Spitzenverdiener sowie höhere Kapitalertragssteuern vor – sie würde Trumps unternehmens- und marktfreundliches „Tax Cuts and Jobs Act“ von 2017 aufheben. Gleichzeitig würde Warren eine „Real Corporate Profit Tax“ von 7 Prozent auf jeden US-Dollar über 100 Millionen US-Dollar Gewinn einführen. Damit würde nicht nur die Steuerbelastung der Unternehmen steigen, sondern die größten Unternehmen – insbesondere die Champions im Silicon Valley und der Wall Street – würden mit einer möglichen Zerschlagung durch eine Behörde konfrontiert, die auf eine verstärkte Durchsetzung des Kartellrechts ausgerichtet ist.

Protektionismus könnte ausgeweitet werden

Über ihre eigenen Grenzen hinaus ist Protektionismus eine Sorge für Märkte und Ökonomen gewesen, seit Trump sein Amt angetreten hat, aber der Biss könnte unter einer Warren-Regierung noch unerbittlicher werden. Der sehr öffentlich geführte Krieg der Worte würde wahrscheinlich abkühlen, aber der Rückzug aus dem Nachkriegsliberalismus könnte sich durchaus ausweiten. Während Trump allein mit China konfrontiert war, würde Warren mit ziemlicher Sicherheit an der Seite der EU als einheitlichere Front arbeiten, um Ziele mit strengeren Voraussetzungen für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu erreichen. All dies dürfte in Peking und in den Hauptstädten anderer Handelspartner auf mehr Widerstand stoßen.

Unsicherheiten verstärken Handelsängste

Wir sind noch weit von der Wahl entfernt. Warren steht vor vielen Hürden, nicht nur Biden und Trump muss sie übertreffen, sondern auch eine Mehrheit im Senat gewinnen. Die Unsicherheit über das zukünftige Steuer- und Regulierungssystem könnte jedoch die derzeitige Handelsangst weiter verstärken. Dies ist eine weitere Sache, um die sich CEOs kümmern müssen, wenn sie über ihre Investitions- und Einstellungspläne nachdenken.