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Fed-Chef Jerome Powell: Hofft auf einen Anstieg der Inflation in Richtung 2 Prozent | © imago

USA Ist die Inflation tot oder nur halbtot?

In den vergangenen Monaten war ein nachlassender Inflationsdruck in den USA zu beobachten. Notenbankpräsident Jerome Powell dürfte sich in seiner Anhörung vor dem Repräsentantenhaus am kommenden Dienstag sehr zurückhaltend zu etwaigen Zinsschritten äußern, erwartet Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management.

07.02.2020 - 16:03 Uhr | in Artikel

Die derzeitige Wirtschaftspolitik der USA kann eigentlich nur als populistisch bezeichnet werden: Ein Haushaltsdefizit von 7 Prozent des BIP (Quelle: OECD) in Kombination mit einem realen Leitzins von etwa -1,0 Prozent – im zehnten Jahr eines Aufschwungs! Typischerweise scheint eine populistische Politik zunächst sehr erfolgreich zu sein, da die Wirtschaft aufgrund der exzessiven Stimulus-Maßnahmen dynamisch wächst. Früher oder später kommt dann aber der „große Kater“ in Form merklich steigender Inflationsraten. Bisher fehlt jedoch von einer Inflation jede Spur; tatsächlich war in den vergangenen Monaten sogar ein tendenziell nachlassender Inflationsdruck in den USA zu beobachten. Ein Grund dafür könnte die Demografie sein. So scheinen Volkswirtschaften mit einer jungen Bevölkerung tendenziell höhere Zinsen zu haben – eine höhere Inflationsrate und ein höheres Wirtschaftswachstum –, während in Volkswirtschaften mit einer älteren Bevölkerung die Zinsen tendenziell niedriger sind.

Das Beispiel Japan zeigt, dass trotz aller erdenklichen wirtschaftspolitischen Versuche die Inflationsrate dort bisher nicht stieg; die Alterung der Gesellschaft in vielen entwickelten Volkswirtschaften könnte somit für strukturelle Niedriginflation mit anhaltenden Nullzinsen verantwortlich sein. Die Höhe der Staatsverschuldung wird bei anhaltenden Nullzinsen irrelevant. Die US-Wirtschaftspolitik wäre in diesem Umfeld nicht als populistisch zu bezeichnen, sondern als die „richtige“ Antwort auf die neuen wirtschaftspolitischen Herausforderungen der Demografie.     

Zumindest für die USA lässt sich jedoch konstatieren, dass die Inflation (Mittwoch) bisher zwar überraschend niedrig geblieben ist, seit 2017 jedoch um einen Wert von immerhin noch 2,0 Prozent schwankt. Darüber hinaus könnte der Indikator des Inflationstrends (berechnet von der New York Fed), der verlässlich den nachlassenden Inflationsdruck von August 2018 bis November 2019 signalisierte, nunmehr einen Boden gefunden haben.

Die spannende Frage ist nun, ob es sich dabei nur um eine Bodenbildung und einen darauffolgenden Seitwärtstrend handelt oder um eine Trendwende in Richtung eines wieder steigenden Inflationsdrucks. Darüber wird die weitere konjunkturelle Entwicklung entscheiden: NFIB-Geschäftsklimaindex (Dienstag) und Einzelhandelsumsätze (Freitag). Sollte die Inflation in den USA nämlich nur halbtot sein, würde doch früher oder später ein moderater „Kater“ der aktuellen populistischen Wirtschaftspolitik drohen.

Da die Inflation derzeit (noch) kein Thema ist, die Wirtschaftssorgen aufgrund der Corona-Virus-Epidemie im Vordergrund stehen und Präsidentschaftswahlen sind, dürfte sich US-Notenbankpräsident Jerome Powell (Dienstag) in seiner Anhörung vor dem Repräsentantenhaus sehr zurückhaltend äußern.