Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
EZB-Chefin Christine Lagarde: Der Druck, dem die Anleger 2019 ausgesetzt waren, lässt nach | © Getty Images

Weltwirtschaft im Wandel Wie geht es für die Anleger weiter?

Aktien sollten 2020 profitieren. Die Anleiherenditen dürften weltweit niedrig bleiben, vor dem Hintergrund des Übergangs von geld- zu fiskalpolitischen Maßnahmen, der sich für die Weltwirtschaft abzeichnet, kommentiert Patrice Gautry, Chefökonom bei Union Bancaire Privée (UBP).

09.01.2020 - 17:28 Uhr | in Märkte

Die Entscheidungsträger rund um den Erdball haben damit begonnen – wenn auch noch zaghaft – einen Kurswechsel einzuleiten, um den Abschwung abzufedern, von dem fast das ganze Jahr 2019 geprägt war. Die Geldpolitik kann hierbei zwar hilfreich sein, doch stellen fiskalpolitische Konjunkturmaßnahmen den Katalysator für ein stärkeres Wirtschaftswachstum dar. Die Weltwirtschaft befindet sich allerdings erst im Anfangsstadium dieses Übergangs. Dies birgt ein Risiko, da neue Ausgabenprogramme nur langsam anlaufen könnten, während zusätzliche geldpolitische Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen werden.

Die Anleger sollten daher 2020 eine Neupositionierung zugunsten von Aktien anstreben und gleichzeitig das Zinsrisiko ihres Engagements in globalen Anleihen aktiv verwalten. Die Wachstumsimpulse, die von den 2019 weltweit ergriffenen Stimulierungsmaßnahmen ausgehen, sollten diesen Übergang unterstützen. Allerdings wird es für die Anleger auch aus taktischer Sicht wichtig sein, damit einhergehende Risiken zu kontrollieren.

Zinssenkungspause dürfte anhalten

Für die Anleiheanleger war 2019 aufgrund der weltweit stark rückläufigen Renditen ein gutes Jahr. 2020 sollte der Schwerpunkt jedoch auf dem Risikomanagement liegen. Erfreulicherweise bemühen sich sowohl die amerikanische Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank (EZB) über die neue geldpolitische Lockerung und Bilanzausweitung, eine längerfristige Ausweitung der Renditeaufschläge einzudämmen, welche die aufkommende globale Konjunkturerholung im Keim ersticken könnte. Zumindest aber dürften die Anleger mit einer höheren Volatilität an den Anleihenmärkten konfrontiert sein, ein Trend, der bereits 2019 eingesetzt hat.

Zu Beginn dieses Jahres sollte es den Anleiheanlegern ein Trost sein, dass sich die Federal Reserve und die europäischen Zentralbank die Stabilisierung der Finanzierungsbedingungen und insbesondere der lokalen Kreditmärkte auf ihre Fahne geschrieben haben. Es dürfte sich somit lohnen, Unternehmensanleihen, auch in dieser Phase erhöhter Volatilität, bis zur Fälligkeit zu halten. Im Gegenzug werden die Anleger ihr Zinsrisiko reduzieren müssen, vor allem weil 2020 mit einer Zunahme der Fiskalausgaben zu rechnen ist.

Vorsicht bei Schwellenmarktpapieren

Auch Schwellenmarktanleihen dürften vom weltweit günstigeren Umfeld profitieren. Die kurzfristigen und spezifischen Risiken in diesem Segment sind jedoch stärker ausgeprägt als an den amerikanischen und europäischen Kreditmärkten. Vor allem können Schwellenmarktanleihen nicht auf dieselbe Unterstützung durch ihre Notenbanken zählen, wie sie die Federal Reserve und die EZB ihren heimischen Anleihenmärkten zukommen lassen.