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Rumänien überholt Indien und China

19.02.2018 09:31 Uhr | Von: 

Auffällig ist die konjunkturelle Entwicklung der Türkei, die mit einem Wirtschaftswachstum von 9,6 Prozent im dritten Quartal vor allen anderen Überfliegern liegt. Ein Grund für das starke Wachstum ist ein Basiseffekt: Der Putschversuch im dritten Quartal 2016 und die politischen Konsequenzen hatten negative Folgen für Tourismus und die Wirtschaft im Allgemeinen. Darüber hinaus verfolgte die türkische Regierung 2017 eine sehr expansive Fiskalpolitik. Sie senkte die Steuern und gab den Banken umfangreiche Kreditgarantien. Die Banken mussten somit für neue Kredite kein Eigenkapital hinterlegen und expandierten die Kreditvergabe 2016 von einer Wachstumsrate von noch 12 Prozent auf eine Wachstumsrate von rund 25 Prozent im Jahr 2017.

Das türkische Bankensystem hat nunmehr ein Kredit-Einlagen-Verhältnis von 140 Prozent, sodass sich das Kreditwachstum aufgrund einer fehlenden Finanzierungsbasis in diesem Jahr abschwächen dürfte. Auch sind bisher für 2018 keine nennenswerten neuen fiskalischen Impulse geplant.

Ein Unsicherheitsfaktor sind die türkischen Staatsfinanzen, die 2017 mit einer Staatsverschuldung von 28 Prozent des BIP und einem Haushaltsdefizit von 2,1 Prozent des BIP solide erscheinen. Die türkische Regierung hat jedoch viele Garantien gegeben, die eine Form der versteckten Staatsverschuldung sind.

Darüber hinaus könnte die türkische Regierung die für 2019 geplanten Wahlen in dieses Jahr vorziehen und im Vorfeld der Wahlen einen neuen großen Fiskalstimulus beschließen. Dadurch würde sich die Verschuldungssituation noch verschärfen. Insgesamt erwartet die Mehrheit der Volkswirte, dass sich das Wirtschaftswachstum von 6,7 Prozent im Gesamtjahr 2017 auf etwa 4,0 Prozent im kommenden Jahr abschwächt. Die Erholung des Tourismus sowie der Exporte dürfte 2018 zu einer wichtigen Wachstumsstütze für die Türkei werden.