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Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus in Kroatien: Die Risiken für das globale Wachstum steigen | © imago images / Pixsell

Wo bleiben die Zentralbanken? Kapitalmärkte im Bann des Corona-Virus

Das Corona-Virus trifft die Weltwirtschaft in einer kritischen Phase angesichts hoher Bewertungen nach zwei volatilen Jahren, beobachten Thomas Völker, Vorstand Moneyfarm Deutschland AG und Andreas de Maria Campos, Portfoliomanager von AllianzGI.

26.02.2020 - 09:55 Uhr | in Artikel

Das Auftreten von Coronavirus-Fällen in Europa ist verständlicherweise mit Besorgnis betrachtet worden. Angesichts des Umfangs der Präventivmaßnahmen, die von den Behörden zu Recht zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und zur Eindämmung der Infektionen ergriffen wurden, ist die Reaktion nicht überraschend.

Die globalen Kapitalmärkte hatten bisher das mit der Epidemie verbundene Risiko weitgehend ignoriert. Die Schwankungen haben sich jedoch drastisch verstärkt. Es besteht die Sorge, dass sich die Ausbreitung des Virus, die sich in China gerade erst verlangsamt, in anderen Regionen fortsetzen könnte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vorausgesagt, dass eine weltweite Ausbreitung des Virus das globale Wirtschaftswachstum beeinträchtigen könnte. Vor dem Hintergrund allgemein hoher Bewertungen und angesichts der Tatsache, dass sich Unternehmenszahlen und ökonomische Fundamentaldaten nach zwei volatilen Jahren in einem zerbrechlichen Gleichgewicht befinden, ist jedes Risiko für das globale Wachstum natürlich besorgniserregend.

Extreme Vorsichtsmaßnahmen sind aus Sicht der öffentlichen Gesundheit angebracht. Für die Anleger ist es jedoch wichtig, unüberlegte, kurzfristige Reaktionen auf vorübergehende Schwankungen an den Märkten zu vermeiden und sich stattdessen auf langfristige Auswirkungen zu konzentrieren. Ohne viele Spekulationen darüber, wie sich die Situation entwickeln könnte, sind hier einige wichtige Punkte, die Anleger beachten sollten:

Die Ausbreitung der Infektion außerhalb Chinas ist keine überraschende Entwicklung. Es wäre nur vernünftig, in den kommenden Wochen mit weiteren Ausbrüchen auf der ganzen Welt zu rechnen. Andererseits sind die Fälle außerhalb Chinas (das gilt sowohl für Korea, Italien, Singapur und Iran) noch ziemlich begrenzt. Das Virus wird – soweit wir wissen – in allen Gebieten außerhalb des Epizentrums der Region Wuhan erfolgreich eingedämmt. In keiner anderen Region oder in keinem anderen Land wurden aktuell mehr als 1.300 Infektionen verzeichnet. Das soll nicht bedeuten, dass man sich nicht auf das Schlimmste vorbereiten sollte. Anleger sind aber gut beraten reflexartige Reaktionen zu vermeiden und sich auf solide Risikokontrolle, Risikomanagement und ihre Investitionsziele zu konzentrieren, insbesondere wenn sie langfristige Ziele verfolgen. In China scheint sich die Ausbreitung der Fälle deutlich zu verlangsamen.

Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der derzeit registrierten Fälle. Seit dieser Woche scheint es auch, dass die Wirtschaftstätigkeit wieder zu erwachen beginnt. Obwohl wir Verzögerungen bei der Veröffentlichung einiger Wirtschaftsdaten durch die chinesischen Behörden feststellen, gibt es Anzeichen für eine teilweise Rückkehr zur Normalität in China.

Eine allmähliche Rückkehr der wirtschaftlichen Aktivität lässt sich auch an der Verkehrsentwicklung in Shanghai ablesen. Die folgende Grafik zeigt, wie sich in den vergangenen Tagen der Verkehr entscheidend wiederbelebt hat.

In eine ähnliche Richtung deutet auch die folgende Grafik zum Kohleverbrauch. Zwar erholten sich die Verbrauchsdaten nach dem chinesischen Neujahrsfest 2019 deutlich schneller. Dennoch konnte in der letzten Woche eine allmähliche Verbesserung festgestellt werden, was ebenfalls für eine steigende wirtschaftliche Aktivität sprechen würde.