Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »

Wie Covid-19 auch das globale BIP befällt

30.03.2020 09:47 Uhr |

Zweistelliger Rückgang des BIP-Wachstums ist wahrscheinlich

Die unterschiedliche Beschaffenheit des Dienstleistungssektors und der Handelsbilanz jeder Nation führt vermutlich zu leicht unterschiedlichen wirtschaftlichen Ergebnissen. Wir rechnen jedoch mit einem zweistelligen Rückgang des BIP. Der Rückgang dürfte hierbei in den USA aufgrund eines kleineren Restaurantsektors und eines geringeren Handelsdefizits etwas geringer ausfallen. Aufgrund von Unbekannten über die Dauer und Wirksamkeit von Eindämmungsmaßnahmen sind diese Prognosen mit einer viel größeren Unsicherheit behaftet als in normalen Wirtschaftszeiten.

Politische Maßnahmen bleiben Schlüsselfaktor

Die Geldpolitik wird wahrscheinlich für mehr als 12 Monate sehr akkommodierend sein, während die Finanzpolitik locker sein muss, um sicherzustellen, dass Unternehmen und Einzelpersonen über die notwendige Liquidität verfügen, um den Abschwung zu überstehen. Sollten die Behörden in der Lage sein, das Virus einzudämmen, wird dieser Stimulus wahrscheinlich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das Wachstum deutlich über dem Trend liegen wird. In den meisten Regionen rechnen wir damit, dass es mehr als 12 Monate dauern wird, bis das Niveau der Aktivitäten vor dem Virus wieder erreicht ist.

Drei Dinge, auf die es bei einer möglichen Erholung zu achten gilt:

1) Arbeitslosigkeit: Zwar könnte Helikoptergeld in Verbindung mit den Standardleistungen des Auffangnetzes entlassenen Arbeiternehmern helfen, doch müssen sie auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, um den Konsum schließlich aufrechtzuerhalten.

Aber wie schnell Arbeitnehmer in Restaurants, Hotels oder beispielsweise an Flughäfen wieder eingestellt werden, ist eine Schlüsselfrage. Je größer der anfängliche Anstieg der Arbeitslosigkeit oder der Unternehmensinsolvenzen ist, desto größer ist das Risiko, dass die Wirtschaft weiterhin arbeitslos bleibt.

2) Einschränkungen der Lieferkette: Diese werden wahrscheinlich die Rückkehr zur vollen Kapazität verzögern. In China ist dies ein mehrwöchiger Prozess, selbst wenn die Virusbeschränkungen aufgehoben werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden nicht alle Länder die Beschränkungen gleichzeitig aufheben. Aufgrund der globalen Natur der Versorgungskette wird die Produktion möglicherweise nicht so schnell wie die Nachfrage zurückkehren, wodurch sich die Erholung der Produktion verlängert.

3) Verhaltensänderungen: Die Schlüsselfrage ist hier, wie lange es (wenn überhaupt) dauern wird, bis die Verbraucher wieder bereit sind, auswärts zu essen, zu großen Sportveranstaltungen zu gehen, zu fliegen und/oder zu reisen wie bisher. Diese Präferenzen lassen sich schnell anhand von Echtzeitdaten wie Filmtickets, Restaurantreservierungen sowie Informationen über die wöchentliche Ölnachfrage und die Anzahl der Flüge verfolgen. Aber auch die möglichen längerfristigen psychologischen Verhaltensauswirkungen dieses Ereignisses müssen berücksichtigt werden. Wollen Unternehmen und Einzelpersonen weniger Leverage aufrechterhalten oder mehr Liquidität halten, was die Sparquote erhöhen, den Verbrauch senken und Unternehmensinvestitionen aufschieben könnte? Diese Veränderungen werden sich erst mit der Zeit zeigen.