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Sämtliche Strände von Texas bleiben geschlossen: Der globale Tourismus- und Freizeitsektor muss mit einem Einbruch von bis zu 80 Prozent rechnen | © imago images / ZUMA Wire

Zukunft der Weltkonjunktur Wie Covid-19 auch das globale BIP befällt

Welche Auswirkungen könnte die Corona-Pandemie auf das globale BIP haben? Eine Analyse von Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research.

30.03.2020 - 09:47 Uhr | in Artikel

Angesichts der sich mit zunehmenden Abschottungen und Unternehmensschließungen überschlagenden Reaktionen auf die Corona-Krise, hat Insight Investment eine Einschätzung der potenziellen Auswirkungen auf das globale BIP vorgenommen. Dies sind die Ergebnisse:

In den meisten Volkswirtschaften ist ein Rückgang des BIP um etwa 15 Prozent wahrscheinlich.

1) Die finanz- und geldpolitischen Reaktionen werden von zentraler Bedeutung sein, doch Unternehmensschließungen könnten die Auswirkungen begrenzen.
2) Arbeitslosigkeit, mögliche Lieferketten-Schwierigkeiten und Verhaltensänderungen sollten genau beobachtet werden, um Hinweise auf die Intensität eines möglichen Aufschwungs zu erhalten.

Tourismus- und Freizeitsektor muss mit Einbruch von bis zu 80 Prozent rechnen

Sektoren, die mit Tourismus und Freizeitaktivitäten verbunden sind, werden besonders stark von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sein (Abbildung 1). Sektoren, wie das Bau- und das verarbeitende Gewerbe werden sowohl durch arbeitsrechtliche Beschränkungen als auch durch mögliche Unterbrechungen der Lieferkette betroffen sein. Dennoch werden die Auswirkungen in diesem Bereich weniger schwerwiegend sein als beispielsweise im Gaststättengewerbe.

Unsere Ansichten zu den am stärksten betroffenen Sektoren werden weitgehend durch unterschiedliche Daten gestützt. So geht OpenTable beispielsweise davon aus, dass die Umsätze in Restaurants in den Vereinigten Staaten, Deutschland und Irland um mehr als 90 Prozent zurückgegangen sind. Es wird erwartet, dass weitere Regionen diesem Trend folgen werden. Ebenso lagen die Einnahmen an den US-Kinokassen in der Woche bis zum 19. März bei 58 Millionen Dollar, dem niedrigsten wöchentlichen Niveau seit 1998 und 70 Prozent unter dem Durchschnittswochenwert von 2019. Da weltweit immer mehr Kinos gezwungen sind, zu schließen, ist mit einem weiteren Rückgang der Einnahmen zu rechnen.

Arbeitsmärkte stehen unter Druck

In den USA ist die Google-Suche nach "Arbeitslosigkeit" im Vergleich zum Vormonat um das Neunfache gestiegen. In Großbritannien liegt der Faktor bei 2,5 und in Frankreich bei 14. In Deutschland, welches über einen einzigartigen Mechanismus zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes verfügt, hat sich jedoch wenig geändert. In den USA deuten vorläufige Daten auf Bundesstaatsebene aus Ohio und Connecticut auf eine Verzehnfachung der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der dritten Märzwoche hin.

Ladenschließungen beeinträchtigen Konsumverhalten

Die Umsetzung der Finanzpolitik in den einzelnen Ländern wird der entscheidende Faktor dafür sein, inwieweit Arbeitsmarktfragen eingedämmt werden und wie hoch die wirtschaftliche Erholung ausfallen wird. Anders als in einer typischen Rezession ist die Finanz- und Geldpolitik nur begrenzt in der Lage, die wirtschaftliche Kontraktion abzuschwächen. Selbst dort, wo der Einsatz von "Helikoptergeld" in Betracht gezogen wird (wie in den USA), wird das Konsumverhalten durch die soziale Distanzpolitik und Unternehmensschließungen beeinträchtigt. Die Maßnahmen zielen daher eher darauf ab, Unternehmen, Einzelpersonen und Märkten genügend Liquidität zur Verfügung zu stellen, um den Abschwung zu überwinden und eine deutliche Belebung der Wirtschaftstätigkeit zu erleichtern.